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XIX__Beruf - Einbahnstraße Lehrer

Nachdem ich mich für die Referendarzeit in Berlin entschieden und einen positiven Bescheid erhalten hatte, musste ich mir ein halbes Jahr lang, bis zum Herbst 1975, die Zeit verreiben - unter anderem mit Wohnungssuche, Umzug innerhalb Berlins und Jugoslawienreise. Dann wurde ich einem Haupt- und zwei Fachseminaren zugeordnet. Welcher Sinn hinter dem Hauptseminar stand, habe ich nie so ganz verstanden; an irgendwelche sinnvollen Tätigkeiten kann ich mich nicht erinnern. Die Behandlung des Schulrechts und der umfangreichen Pflichten eines Gymnasiallehrers im Schulalltag wäre sicher sehr nützlich gewesen. Wichtiger aber waren die Fachseminare. Die Erdkundestunden fanden an der Waldoberschule statt. Verantwortlich war ein gewisser Saarmann, der stark nach Lungenkrebs aussah: fahles Gesicht, Raucherstimme, miese Laune - ein echtes Vorbild. "Bei dem schreibe ich meine Examensarbeit", war mein Spleen. Als ich dann nach eindreiviertel Jahren zum ersten Mal erfuhr, dass er mich mit "ausreichend" beurteilte, verzichtete ich darauf, die Arbeit abzugeben, so dass ich automatisch durch die Examensprüfung gefallen war. Zum Glück musste ich nur ein halbes Jahr dranhängen. Meine Examensarbeit über eine Unterrichtsreihe zum Erlernen des Saltos vorwärts am Boden schrieb ich dann schlauerweise bei Harald Lieb, dem Berliner Schach-meister, der an der Schöneberger Rückert-Oberschule tätig war.

Als er mir mitteilte, die Arbeit sei "sehr gut" ausgefallen, war ich verständlicherweise sehr erleichtert, und auch im Erdkunde-Seminar in Neukölln lief es jetzt deutlich besser. Ich wurde mit meinen Unterrichts stunden vom Landwitzer Beethoven-Gymnasium zum Hildegard-Wegscheider-Gymnasium nach Wilmersdorf umgesetzt, wo auch die Prüfung stattfand. Beide Unterichts stunden liefen wie geschmiert; doch die mündliche Prüfung war mal wieder ein Reinfall. Lieb wollte von mir eine methodische Hilfe zum Erlernen des Hürdenschritts hören. Als Zehnkampf-Autodidakt hatte ich jedoch keine Ahnung, was er hören wollte und stocherte mit der Nadel im Heuhaufen herum. Doch trotz der "4" im Mündlichen bestand ich das zweite Staatsexamen mit einem knappen "Gut" [siehe Abbildung oben]. Später erfuhr ich, dass ich vor den Hürden Markierungen für das Abdruck-/ Nachziehbein hätte anbringen sollen. Sei's drum! Mündliche Prüfungen waren noch nie meine Stärke.
Als Studienassessor ohne Arbeit durfte ich Sozialhilfe empfangen und hatte Gelegenheit, am Georg-Herwegh-Gymnasium in Hermsdorf als "Stundenlehrer" meine Finanzen aufzubessern. 1979 war es dann so weit: an der Gesamtschule am Steglitzer Immenweg durfte ich meine erste Stelle antreten. Das war genau der Job, den ich nie haben wollte. Aber das Geld stimmte, und so lautete die Parole: "Augen zu und durch." Ich war zweiter Klassenlehrer einer ganz manierlichen neunten Klasse, lernte die Errungenschaft des AUA-Bereichs kennen {außerunterrichtliche Aktivitäten] und hatte im Übrigen nur wenig Stress, obwohl ich mich kaum auf den Unterricht vorbereitete.



Nach kurzer Zeit wurde ich zum Studienrat ernannt [Abbildung oben] und auf Lebenszeit verbeamtet. [Abbildung darunter]. "Läuft ja wie geschmiert", war mein erster Gedanke. Dennoch rutschte ich in eine anhaltende Depression. Mein zweiter Gedanke: "Das war's; mein Berufsziel habe ich erreicht; jetzt folgt nur noch Monotonie," hielt sich hartnäckig. Nach anderthalb Jahren bat ich um Umsetzung an ein Gymnasium mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten. Dem Antrag wurde umgehend stattgegeben, so das ich endlich an einem Gymnasium arbeiten konnte. 15 Jahre, von 1981 bis 1996 unterrichtete ich am grundständigen, humanistischen Gymnasium Steglitz in der Heesestraße. Hier scheißt mein Vater Hirsch hieß mein Schulleiter. Er war der Oberguru, der absolute King, er verbreitete Angst und Schrecken. Ein Kollege erzählte mir: als er einmal eine halbe Minute zu spät zur Aufsicht kam, wurde er vom Tyrannen gnadenlos niedergemacht. Auch ich kann ein Lied davon singen: als er mich einmal in der großen Pause im Lehrerzimmer von der Seite ansprach und ich nicht sofort in seinem Sinne reagierte, fauchte er mich an: "Stehen Sie auf, wenn ich mit Ihnen rede!" Dummerweise waren wir beide Löwe - keine optimale Voraus setzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Ansonsten gefiel mir die Schule: kuriose Kollegen, hinterhältige Schüler und arrogante Mütter - was will man mehr? Als echte nervliche Herausforderung entpuppte sich eine elfte Klasse, die herausge funden hatte, dass der Schulleiter nicht die Schüler, sondern aus schließlich die Lehrer kontrollierte. Eines Tages wollte ich eine geografische Weisheit an die Tafel schreiben, als ich plötzlich das Kriegserlebnis "Getroffen" ver spürte. Ich war mit Schneebällen bombardiert worden. Mir war klar: entweder ich schaffe diese Heraus forderung oder ich gebe auf. Damals habe ich mir geschworen: für den Rest meiner beruflichen Laufbahn werde ich mich an den Schülern rächen, denn Rache ist Blutwurst!!!

Ein Jahr später besuchten drei Rädelsführer dieser Klasse meinen Handballkurs. Eines Tages erschienen sie als erste in der Sporthalle. Als ich gebückt meine auf der Sitzbank liegenden Unterlagen ordnete, versüürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz am rechten Ohr. Einer der drei Wahnsinnigen hatte mir mit voller Wucht aus drei Meter Abstand den Ball auf mein Ohr geworfen. Mein Trommelfell war geplatzt, noch wochenlang hatte ich Kopfschmerzen. Die Strafanzeige blieb ohne Ergebnis: den Attentätern konnte keine Absicht nachgewiesen werden!!!
Nach diesen beiden Horrorerlebnissen
war das Schlimmste überstanden. Als Klassenlehrer, Sportlehrer und Kursleiter brauchte ich mir keine allzu großen Gedanken mehr zu machen; der Erdkundeunterricht in den fünften bis elften Klassen blieb eine ständige Herausforderung, die ich durch immer bessere Sprüche und Scherze meisterte. Bald war ich aus der Schülerzeitung nicht mehr wegzudenken. Meine ersten Fans gaben sich zu erkennen. Einmal kniete ein Achtklässler vor mir nieder und betete mich an: "Herr Volkamer, Sie sind der Größte". Das war für mich eine klare Bestätigung, dass ich mich auf dem richtigen Weg befand.
Lediglich drei vergebliche Stellenbewerbungen irritierten mich. Beim ersten Versuch für die Stelle eine Erdkunde-Fachleiters wurde wurde ich nicht genommen, weil ich keine Frau war. Das leuchtete mir ein. Auch bei der zweiten Bewerbung für die Stelle eines Fachbereichs leiters für die gesellschaftskundlichen Fächer könnte ich wegen fehlender Behinderung nicht berücksichtigt werden. Warum war ich nicht taub, einäugig, verkrüppelt und an den Rollstuhl gefesselt! Gesundheit kann eine harte Strafe sein. Meine dritte Bewerbung - für die Stelle eines Leiters des Fachbereichs Sport an der Bröndby-Gesamtschule - war von vorne herein aussichtslos: ich hätte eine ausländische Herkunft nachweisen müssen, doch meine Daten waren alle beim Senat gespeichert. Da war nichts zu machen! Was für eine blendende Karriere hätte ich als griechische Rollstuhlfahrerin mit drei, vier Kindern im öffentlichen Dienst hinlegen können! Umsetzungen gegen meinen Willen wären völlig ausgeschlossen gewesen.


Eines Tages ruft mich der Steglitzer Schulrat an: ob ich bereit für einen Schulwechsel wäre. Mein Verdacht: jeder Widerstand ist zwecklos bestätigte sich. Als überhängender Lehrer wurde ich 1996 an die Lilienthal-Oberschule in Lichterfelde umgesetzt. Hier durfte ich mich als Kursleiter in Politischer Weltkunde austoben. Ja sogar eine Dankurkunde [siehe Abbildung unten] wurde mir verliehen. Doch der Spaß fand ein jähes Ende. Nachdem ich im Oktober 1999 die Vorschläge für die schriftliche Abiturprüfung im Fach Erdkunde ordnungsgemäß eingereicht hatte, wurde ich vom zuständigen Fachberater um einen Rückruf gebeten. Mehrere Kontaktversuche meinerseits blieben erfolglos. Sein zweite Benachrichtigung für mich blieb merkwürdigerweise im Sekretariat liegen und wurde nicht in mein Postfach gelegt. Es kam, wie es kommen musste: ich wurde für die fehlende Kommunikation verantwortlich gemacht. Dann kam der unglaubliche Clou: der Fachberater fertigte ohne Absprache eine eigene Prüfungsaufgabe an, die der Schuleiter am Prüfungstag meinem Kurs vorsetzte. Aufgabe, Arbeitsschritte und Materialien waren so mangel- und fehlerhaft, dass meine Kursteilnehmer keine Chance hatten. Eine anschließende Bseschwerde des Kurses führte dazu, dass die schriftliche Prüfung wiederholt werden musste. Anschließend hatte ich 14 Tage Zeit, die arbeiten zu korrigieren, zu bewerten und zu begutachten.

Dieser Vorfall war dem Schulleiter zu viel. Er sorgte dafür, dass ich zunächst teilweise ans Fichtenberg-Gymnasium und die Poelchau-Gesamtschule und im Jahr 2000 dann vollständig an die Bröndby-Gesamtschule strafversetzt wurde, wo ich mich zwei Jahre lang über die Runden quälte. Der Unterricht war eine einzige Tortur. Ich war umzingelt von frustrierten Kollegen, dümmlich-naiven deutschen und hochgradig aggressiven ausländischen Schülern. Ein Kollege hatte seinen Stress dadurch minimiert, dass er eine AV-Anlage von einem Klassenraum zum nächsten geschoben und 40-minütige Filme von Gott und der Welt gezeigt hat. In einer zehnten Klasse saß ich regelmäßig eine halbe Stunde am Lehrertisch und wartete bis die sozialen Konflikte so weit gebändigt waren, dass ich in Aktion treten konnte. In dieser Klasse befand sich übrigens auch die damals kopftuchtragende Joy Denalane [Foto unten]. Das Chaos zerrte an meinen Nerven, ich entwickelte mich zum Stress-Frust-Fresser und explodierte gewichtsmäßig. Dann kam die Rettung: eine neunte Klasse verweigerte aufgrund einer schlecht ausgefallenen schriftlichen Kontrolle jegliche Mitarbeit im Geschichtsunterricht [mein viertes Fach]. Die Eltern beschwerten sich massenhaft bei der Schulrätin. Diese entschloss sich zu einem unangekündigten Unterrichtsbesuch - aber nicht in der Verweigerungsklasse, sondern in einer harmlosen siebten Klasse. Ich hatte Frankreich abgeschlossen und beabsichtigt, eine Einführungsstunde zum Thema "Britische Inseln" durchzuführen.

Da ich nur zehn Minuten Bedenkzeit hatte, hielt ich mich an den Plan - und das war auch gut so: die Erdkundestunde verlief reibungslos. Allerdings mit deutlich mehr Meldungen, als ich es bis dahin gwohnt war, so dass ich einen Teil nicht mehr schaffte. Dennoch war ich äußerst zufrieden. Bis ich mir in der anschließenden Besprechung in Anwesenheit des Schuleiters von Frau Gott~ anhören musste, das sei die schlechteste Stunde gewesen, die sie seit langem besucht habe. Für dieses niederschmetternde Urteil hatte sie allerdings nur ein einziges Argument: die dritte Lernzielebene [Erörtern, Problematisieren] hätte völlig gefehlt. Wo sie recht hat, hat sie recht. Das tangierte mich nicht, da mir inzwischen klar war, dass an der Berliner Schule nicht die Fähigen nach oben geschwemmt werden, sondern die angepassten Bürokraten und Angehörigen bevorzugter sozialer Gruppen. Bald waren wir uns einig, dass ich die Schule verlassen sollte. Sie hatte auch schon ein Angebot mitgebracht: an einem Charlottenburger Gymnasium sei eine Stelle zu besetzen. Nichts lieber als das! Ich sollte mich beim Schulleiter der Herder-Oberschule vorstellen. Am Ende des Gesprächs schlug er mir Bedenkzeit vor, die ich ablehnte. Es sei mir ernst, entgegnete ich. Damit hatte ich die Stelle in Neu-Westend - mit dem Motorroller fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt. Ein Traum, nach dreiviertelstündigen Bus fahrten von Charlottenburg nach Lankwitz! Von 2002 bis 2005 fuhr ich praktisch täglich in die Provinz. Zumindest das Betriebsklima war provinziell. Die heile Welt wurde nur alle paar Monate von Schulleiter Bell-Forte auf Gesamtkonferenzen konterkariert.

Wenn ihm eine Lehrerin widersprach, kam ihm die Galle hoch, die er nur mühsam unter drückte. Darüber hinaus hatte er zwei, drei Lehrer, die er in seine Amtsstube zitierte, um sie fertig zu machen. Dummerweise war ich einer von denen. Nachdem sich eine hochgradig disziplinierte elfte Klasse heimlich über mich beschwert hatte, warf er mir an den Kopf, ich sei eine "pädagogische Null". Von diesem Tag an wurde ich nicht nur von ihm, sondern auch von seinen Helfershelferinnen, vier Sportlehrerinnen unter Führung des weiblichen Oberfeldwebels Eisenfaust gemobbt. Als ich mich in meiner Verzweiflung idiotischerweise an den Personalsrat in der Heerstraße wandte, bekam ich nur zu hören: "Sie müssen mehr Selbstvertrauen an den Tag legen; als Beamter kann ihnen doch gar nichts passieren." Tja, Ignoranten sind auch Menschen. Nach fünf Jahren gelang es dem Schulleiter mich abzuservieren. "Nicht wieder an eine Gesamtschule", bat ich den zuständigen Schulrat. Sein Angebot lautete: Goethe-Gymnasium. Das sagte mir zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Hätte ich geahnt, was auf mich zukommt, wäre ich freiwillig nach Grönland ausgewandert. Die grundständige Schule in Wilmersdorf ist eine Mischung aus Gymnasium Steglitz und Bröndby-Gesamtschule mit unglaublich lauten, undiszilinierten, überheblichen und unkonzentrierten Schülern. So verzweifelt wie vergebens habe ich bei den Schülern positive Eigenschaften gesucht. Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich von Monat zu Monat, nicht zuletzt auch, weil die Schulleiterin den respektlosen Schülern und völlig ignoranten Eltern nach dem Mund redete.

Die Unterichtsbedingungen waren im Vergleich zu allen anderen Schulen, die ich kennengelernt hatte, die schlechtesten. Monatelang erhielt ich keinen Zugang zum Lernmittelraum und die Schüler keine Erkundebücher oder Atlanten. Als ich die Eltern einschalten wollte, erteilte mir die Schulleiterin, Knecht Frau Rupprecht, als Dienstanweisung das Verbot, mit den Eltern über Lernmittel zu reden. Der Sportunterricht fand zum einen mit 35 Schülern im winzigen Schulgymnastikraum statt, während man mit kleineren Klassen und Kursen wandern durfte. Die Wanderung zum Stadion Wilmersdorf betrachteten die fünften und sechsten Klassen als Wandertag: der Hin- und Rückweg sowie das Umkleiden dauerten so lange, dass für den Sport keine Zeit mehr blieb.
Das Berliner Schulsystem ist von einem multiplen Krankheitssyndom mit ubiquitären Metastasen befallen. Ein paar Symptome kann ich - ohne langweilen zu wollen - ansprechen. Der hirnkranke Kopf: die Schulbehörde handelt allmächtig, planlos und nach Gutdünken; Behördenwillkür ist jedoch mit einer Demokratie nicht zu vereinbaren. Der Torso: die Lehrer werden von oben wie Sklaven, von Eltern wie Müllschlucker und von Schülern wie lästige Aufseher behandelt. Sie haben Berge von Pflichten, keine Rechte und schon gar nicht die Chance, sinnvolle Erziehungsmaßnahmen durchzusetzen. Bis zu 30 Unterrichtsstunden und 60 Arbeitsstunden pro Woche sind auf Dauer gesundheitlich nicht zu verkraften.


Den psychischen, nervlichen, geisigen und körperlichen Stress in den unwichtigen Fächern kann kein Außenste hender nachvollziehen. Die Beine: das Fundament bilden junge Menschen, auch Schüler genannt, die keine Einstellung zu Schule finden und nur das tun, wozu sie gezwungen werden. Unterricht wird als störend empfunden, denn er unterbricht das Freizeitverhalten: telefonieren, Karten spielen, konsumieren, Musik hören - alles ist wichtiger als Unterricht. Die Arme: mit ihren Fangarmen und Saugnäpfen haben sich die Eltern in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Krake entwickelt, die den fest umschlungenen Schulbetrieb aussaugen. Ahnungslose DiletTanten, die sich als Obererzieher begreifen, schreiben den Lehrern vor, was richtig und falsch ist. Die Eingeweide: die Rahmenpläne sind mit Lernstoff völlig überfrachtet. Dazu gehören nicht nur universitäre Inhalte in der Oberstufe, sondern vor allem auch die falschen Fächer. Religon ist Privatsache und hat in der Schule nichts zu suchen. Musik, Kunst, Sport, Darstellendes Spiel, Literatur und ähnliche filosofische, ethische, künsterliche, belletristische und sportliche Angebote sollten als Wahlfächer in den Nachmittag verlegt werden. Lebens wichtige Fächer wie Rechts- und Wirtschaftskunde sind im Curriculum noch nicht einmal vorgesehen.

Das Mileu: die Pisastudie hat - neben vielen anderen Fehlentwicklungen - einen verhängnisvollen Trend zur Vereinheitlichung ausgelöst. So sollen die Schüler so lange wie möglich in derselben Klasse zusammenbleiben und z.B. in Rheinland-Pfalz die Hauptschulen aufgelöst werden. Die Apologeten des Kuddelmuddels wollen die Nachteile der Heterogenität nicht erkennen: schwache Schüler erfahren keine gezielte Förderung und bremsen die guten aus, die keine ausreichende Anforderung verspüren und sich langweilen. Die Unruhe ist vorprogrammiert. Im Gegensatz dazu kann das Lerntempo an homogene Lerngruppen perfekt angepasst werden. Keiner muss auf andere verächtlich hinab- oder neidisch hinaufsehen. Und wenn ein Schüler akute persönliche Probleme hat, hat er im Unterricht nichts verloren. Sozialabeiter mussen solche Problemfälle so lange wie nötig betreuen, sich um sie kümmern und ggf. die Erziehunsberechtigten kontaktieren. Außerunter richtliche Veranstaltungen dürfen nicht von der Genehmigungslust und -laune des Schulleiters abhängen, dessen vergrößerte Machtfülle der Willkür Tür und Tor öffnet. Anstatt die Schüler in den großen Pausen in den Klassenräumen herumgammeln zu lassen, sollte das Betriebspraktikum ausgeweitet werden. Noten müssten wieder die Leistung des Schülers wiederspiegeln und nicht den Weg des geringsten Widerstandes des Lehrers.
Der Trend der letzten Jahre lässt Böses erahnen, ist zum Glück aber nicht mehr mein Problem. Eine herzlose Gesellschaft hat wahrscheinlich kein beseres Schulsystem verdient. Obwohl ich teilweise von meinem raffinierten, dramaturgischen Aufbau einzelner Unterrichtsstunden selbst begeistert war, habe ich innerlich mit dem Schulbetrieb abgeschlossen.

 
   
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