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Erbschaft

XXII---Ohne Erbschaft


Außer meiner Schwester Ursel, im Folgenden SU genannt, hat sich in unserer Familie niemals jemand Gedanken über das Thema Erbschaft gemacht. Als mein Vater gestorben war, stand meine Mutter dumm da und hatte keine Ahnung, welche Renten ihr zustehen. Ich habe ihr geholfen, so gut es ging, wusste aber selbst nicht Bescheid. Allzu schlecht kann es ihr als alleinstehende Witwe aber nicht gegangen sein. Es gab mehrere Sparbücher von ihr, ihrem verstorbenen Mann, ihrer wenige Jahre später ebenfalls verstorbenen Mutter. Es sind Agrarflächen verkauft worden. Etliche Weinberge waren verpachtet und erbrachten jährliche Pachtzinsen. Monatlich wurden eine landwirtschaftliche Altersrente sowie eine Witwenrente der Bundeswehr überwiesen. So musste ich mir wegen ihrer finanziellen Situation keine Gedanken machen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass sie in fast einem Vierteljahrhundert, in dem ich nicht mehr zu Hause gewohnt habe, nicht ein einziges Mal etwas von sich hat hören lässen, weder telefonisch, noch brieflich, noch auf irgendeine andere Art und Weise. Ledigich in den ersten Jahren als Soldat und Student kam ab und zu, initiiert von meiner Großmutter, ein Lebensmittelpaket.

So erfuhr ich von meiner Cousine Elfriede, dass SU zunächt mit ihrem Mann Monkey und ihrer Mutter in Edenoben zuammengewohnt haben. Obwohl beide Parteien in zwei verschiedenen Gebäudetrakten wohnten, soll [Schachzug #1] SU ihrer Mutter das Leben zur Hölle gemacht haben. Als letztere nervlich am Ende war, hat SU [Schachzug #2] sie in die Nervenheilanstalt in Landeck (Klingenmünster) einweisen lassen. Auf SUs Antrag [Schachzug #3] wurde meine Mutter wenige Monate später entmündigt und SU zu ihrem Vormund erklärt. Als diese miese Nummer erfolgreich abgeschlossen war, hat SU [Schachzug #4] unsere Mutter in ein Seniorenwohnheim, zunächst in Bad Bergzabern, abgeschoben. Von alledem wusste ich nichts; ein paar Versuche, mit meiner Mutter und SU Kontakt aufzunehmen, sind mir misslungen. Letztere hat nämlich [Schachzug #5] sämtliche Sparbücher und Konten geplündert und [Schachzug #6] ihre Mutter gezwungen, eine Schenkungsurkunde über unser Haus in Edenkoben zu unterschreiben. Dieses hat sie [Schachzug #7] anschließend für über 180000 Euro [damals 365000 DM] verkauft. En passant wurden [Schachzug #8] unauffällig ein paar Weinberge veräußert. Daraufhin ist sie [Schachzug #9] mit einem Koffer Geld, Kindern, Mann und Maus unbekannt verzogen. Jahre später bekam ich einen Anruf von einem Ami namens Don, der SU kannte und mich fragte, ob ich ihm bei seinen Problemen mit SU helfen könne. Selbstverständlich stellte auch ich mir die Frage, ob er mir helfen könnte. So kam es in den folgenden Monaten zu zahlreichen längeren Telefongesprächen. Es stellte sich heraus, dass SU [Schachzug #10] eine Eigentumswohnung am Bodensee gekauft und [Schachzug #11] eine Bücherei eröffnet hatte. Nun musste sie nur noch ihren lästigen Wegbegleiter, ihren Mitwisser, ihr schlechtes Gewissen namens Monkey los werden. Also jagte sie [Schachzug #12] ihren Mann zum Teufel, der seine letzten Jahre in Heidelberg verbrachte, bevor er verstarb. Damit war ihr Lebensentwurf vollendet. Da waren nur noch zwei Männer, die keine Ruhe gaben: ihr Bruder, der seinen Erbteil, und Don, der - unverständlicherweise - eine feste Beziehung mit ihr haben wollte. Doch auch diese beiden lästigen Nervensägen konnte sie abwimmeln. Dummerweise hat sie ihre Bücherei in den Sand gesetzt, so dass sie pleite ging und sogar ihre schöne Eigentumswohnung verkaufen musste. Da ihre Kinder in der Zwischenzeit erwachsen waren und ihr eigenes Leben führten, tat es auch eine kleine Mietwohnung.

Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Recht haben und Recht bekommen sind in Deutschland zwei Aspekte, die nur wenig miteinander zu tun haben. Ich habe einiges unternommen, um zu meinem Recht zu kommen, doch alles war vergebens. Ein Rechtsanwalt, den ich einschalten wollte, erklärte mir, ein Honorar auf Erfolgsbasis gebe es in Deutschland nicht. Außerdem sei ihm die Angelegenheit zu undurchsichtig. Ein zweiter Anwalt führte jahrelang ohne Ergebnis einen Papierkrieg mit dem Anwalt der Gegenpartei. Ein Detektiv ließ sich zwar fürstlich bezahlen, lieferte aber keinerlei verwertbare Ergebnisse. Wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte ich regelmäßig Pachtzins für die verpachteten Weinberge und meinen Anteil am verkauften Haus, an den verkauften Ackerflächen und am Geldvemögen bekommen. Ohne Zinseinnahmen wären das mindestens 250000 Euro gewesen. Alls zusammengerechnet hätte ich 300000 Euro reich sein können. Damit hätte ich in meinem fortgeschrittenen Alter noch leicht die eine oder andere weibliche Attraktion zu einem sexuellen Abenteuer überreden können. Gesehen habe ich davon jedoch keinen einzigen Cent, stattdessen Hunderte Seiten Schriftwechsel der Anwälte, Grundbucheintragungen, notarielle Beglaubigungen, Flurbereinigungsinformationen, Grundsteuerforderungen, Pachtverträge usw. usf. So bin ich zumindest weder zum Alkoholiker, noch zum Drogenabhängigen, noch zum Geschlechtskranken geworden. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch: wenn schon kein Erbteil, dann bitteschön auch keine Erbkrankheiten!


Verlorene Weinberge, verlorenes Haus, verlorene Erbschaft, verlorene Heimat

Anhang: Papierkrieg





















 
   
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