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Hokuspokus

XXIV...Hokuspokus & Humbug

Sigmund Freud hat der Welt erklärt, dass Träume eine Relevanz für den Träumenden haben, dass man sie interpretieren und Schlussfolgerungen daraus ziehen kann. An die meisten Träume erinnert man sich nicht, viele verdrängt man nach kurzer Zeit, einige bleiben - besonders, wenn sie sich wiederholen - so im Gedächtnis haften, dass man sie Nahestehenden belustigt erzählt, weil man "lustigerweise" vom Dach gefallen ist, vom Sturm fortgetrieben wurde oder den eigenen Vater ermordet hat. Selten glaubt man in einem Traum, auch wenn er noch so intensiv war, eine Bedeutung oder gar Handlngsaufforderung zu erkennen. Traumanalyse ist Bestandteil jeder Psychotherapie. Traumdeuter haben sich sogar auf diese Aufgabe spezialisiert und sicher auch Zulauf.

Eine Zeitlang, als ich Tagebuch geführt habe, versuchte ich bewusst, mich an jeden Traum zu erinnern, um ihn im Text oder als Skizze zu Papier zu bringen. Das großartigste Traumbild hat Salvador Dalí in Öl auf die Leinwand projiziert: "Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen" [siehe Abbildung]. Meinem Ansinnen, Träume zu dokumentieren, war in den letzten Jahrzehnten nur ein sehr bescheidener Erfolg beschieden. Ob ich früh oder spät ins Bett ging, ob nüchtern oder betrunken, ob der Wecker klingelte oder ich ausschlafen konnte: an einen Traum konnte ich mich nach dem Aufwachen nur höchst selten erinnern. Aus diesem Grund neige ich heute zur Annahme, dass im Traum unverarbeitet Erlebnisse unzusammen hängend und bruchstückhaft in flüchtige Bilder umgewandelt werden, um den Kopf wieder frei zu machen für neue Gedanken und Eindrücke. Wer sich und seine Umwelt regelmäßig reflektiert, erspart sich die Traumarbeit während der REM-Phase. Unter den Säugetieren können Delfine und Ameisenigel auf diese Schlafphase sogar ganz verzichten. Problematisch kann die regelmäßige Einnahme von Schlaftabletten werden, da auf diese Weise die entsprechenden Hirnstrom aktivitäten unterdrückt werden, was zu vermehrtem Hungergefühl, vermehrten sexuellen und aggressiven Impulsen, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisproblemen führt. Ich habe, was mich betrifft, den Eindruck, dass diese Fänomene auch ohne Medikamente hervorgerufen werden können. Als besonders bedauerlich empfinde ich dieTatsache, dass Träume den Blick weder in die Zukunft noch in die Vergangenheit ermöglichen. Daher lautet mein Cedo: "Träume sind Schäume."

Neben einem Albtraum kann ein Gemälde, die Strofe eines Gedichts, eine dramatische Filmszene oder ein Foto einen bleibenden Eindruck hinterlassen als ein reales Erlebnis. Nach Jahren wird man sogar unsicher, ob eine im Gedächtnis haftende Erinnerung aus einer Fiktion oder der damaligen Wirklickeit stammt. Maskentechnik und Computerprogramme haben es geschafft, einige beeindruckende Horrorvisionen Filmwirklichkeit werden zu lassen (siehe Abbildung oben). Als die Bilder noch nicht laufen konnten, war man darauf angewiesen, Lyrik und Prosa in Abbildungen zu veranschaulichen. Uralte Höhlenmalereien sind Zeugen dieser archaischen Fähigkeit des Menschen, die dem Tierreich völlig fehlt. Besonders eindrucksvoll und wenig prüde sind die Darstellungen des indischen Kamasudra. Die "Verse desVerlangens" beschreiben nicht nur hetero- und homosexuelle Praktiken und Stellungen, Prostitution und Drogengebrauch, sondern auch die Unzucht mit Tieren (siehe Abbildung).

Früher hatte man nicht nur für Sex mehr Zeit als heute, sondern auch für ausführliche Gespräche, die Religionsausübung oder die Dichtung , also das Schreiben und Lesen von Epen, Romanen und Gedichten. Gelesen habe ich unter anderem Der zerbrochne Krug (von Heinrich von Kleist), Wilhelm Tell (von Friedrich Schiller), Dantons Tod (von Georg Büchner), Siddhartha (von Hermann Hesse), die Ilias (von Homer), Hamlet (von William Shakespeare: Sein oder Nichtsein - das ist hier die Frage), Die Schatzinsel (von Robert Louis Stevenson), Die Meuterei auf der Bounty (von Charles Nordhoff und James Norman Hall), Robinson Crusoe (von Daniel Defoe), Jenseits von Eden (von John Steinbeck), Der Prozess (von Franz Kafka) Tausendundeine Nacht (Die nächtlichen Erzählungen von Schahrasad, mit denen sie ihren königlichen Gatten verzaubert und so ihre Tötung immer wieder aufschiebt, entführen in die Welt der Basare und Karawansereien, der weisen Kalifen und verschlagenen Händler, der mächtigen Zauberinnen und bösen Dämonen. Sie berichten von erotischen Vergnügen und harten Schicksalsschlägen. Wie kein anderes Werk ist Tausendund eine Nacht Inbegriff eines verklärten Orientbildes; siehe Abbildung).

Gedichte sind wahrscheinlich zum Auswendiglernen erfunden worden. An Schillers Lied von der Glocke führte kein Weg vorbei (Von der Stirne heiß Rinnen - muß der Schweiß - Soll das Werk den Meister loben - Doch der Segen kommt von oben). Faszination hat auf mich lediglich Gottfried Benns Verlorenes Ich ausgeübt - wahrscheinlich wegen der vielen Femdwörter (Stratosfären, Schimären, Kaldaunen, Mythe, Requiem). Spinnereien der besonderen Art findet man im Bereich der Esoterik. Hierzu gehört die Astrologie: auf anthropozentrisch-mythologische Art und Weise wird die Konstellation der Gestirne gedeutet. Das auf dem Tierkreis basierende Horoskop soll Aufschluss über die Beziehung zwischen Menschen geben und günstige Zeitpunkte für geplante Unternehmungen und Termine festlegen. Dummerweise gibt es keine physikalisch akzeptable Erklärung, wie die Komponenten des Horoskops Einfluss auf das irdische Geschehen nehmen könnten. Auch in großangelegten Studien konnte kein Zusammenhang zwischen Geburtsdatum und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen hergestellt werden. Kurz: Astrologie ist Glaubenssache. Zu anderen esoterische Abarten gehören Vampirismus (Gewinnen von überirdischer Stärke durch das Absaugen fremder Energien), Hexerei (Bündnis mit dem Teufel) und Satanismus (Vergöttlichung des Menschen durch Satan), Spiritismus (ein Medium überbringt Botschaften aus demJenseits), Okkultismus (Kontaktaufnahme mt der jenseitigen Geisterwelt durch Praktiken wie Gläserrücken oder Pendeln), Anthroposophie (Steiners übersinnliche Welt der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und der Eurythmie) u.v.m.
Stehen ein, mehrere oder viele Götter im Mittelpunkt der Glaubenslehre, spricht man von
Religion. Die weit verbreiteten Religionen wie Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Shinto, Daoismus, Sikhismus, Judentum und Konfuzianismus werden als Weltreligionen bezeichnet. Am besten organisiert sind die monotheistischen Glaubensrichtungen, die nur einen einzigen Gott kennen. Christentum, Islam und Judentum haben weltliche Instanzen, die festlegen, was ein Christ, Muslim oder Jude glauben darf und was nicht. Wer vom Glauben abweicht, begeht eine Sünde und kann bestraft werden bis hin zu Hinrichtung. Aber auch der polytheistische Hinduisms, in dessen Verbreitungsgebiet jedes Dorf andere Götter verehrt, hat strenge gesellschaftliche Zwänge entwickelt wie die Kastenzugehörigkeit, die Beruf und soziale Kontakte reglementiert. Am großzügigsten zeigt sich der Buddhismus in seinen zahlreichen Spielarten (Chan , Zen, Amitabha-Buddhismus, Tantrismus), dessen Anhänger keinen Gott, sondern den Religionsgründer Siddhartha Gautama verehren. Jeder spirituell interessierte Mensch kann Buddhist werden, wenn er a) das Karma als Ursache-Wirkungs-Prinzip akzeptiert, b) sein Gefangensein im Kreislauf des Lebens (Samsara) erkennt, c) den Kreislauf der Wiedergeburt (Reinkarnation) als Folge einer lustbetonten, triebhaften Lebensweise begreift und d) die Erleuchtung (Bodhi) als sein Lebensziel proklamiert und seine Lebensweise daran orientiert. Jede große Religion hat verschie dene Glaubens richtiungen hervorgebracht. Im Christen tum werden zwar verschiedene "offizielle" Konfessionen akzeptiert, Sekten wie Scientology aber diskriminiert und verteufelt, um den Alleinvertretungsanspruch Gottes auf Erden nicht zu gefährden. Die Intoleranz monotheistischer Religionen hat ihren Ursprung in der Gründung als patriarchalisches Herrschaftsinstrument.

Soweit es mich betrifft, sind die mentalen Auseinanderset zungen mit dem Thema Religion abgeschlos sen. Theoretisch halte ich den Hinduismus für am stringen testen und konsequen testen, den Buddhismus für am sympathischsten. Dennoch waren es immer ganz bestimmte Kulte , die eine anhaltende Faszination auf mich ausgeübt haben. Um den Kreislauf der Wiederge burt der ewig wandernden Seele zu durchbrechen, wurden Rituale entwickelt, unter anderem zahlreiche Varianten des Yoga. So wurden z.B. im Bereich des Hatha-Yoga ein Vielzahl von Stellungen, Asanas bezeichnet, entwickelt (siehe Abbildung oben). Körperbeherrschung und kontrollierte Atmung sollen Körper und Geist in Einklang bringen. Doch Probleme mit Gelenkigkeit und Beweglich keit haben verhindert, das ich es beim Pflug, Fisch, Bogen, Drehsitz, Kopfstand oder bei der Kobra zur Meisterschaft gebracht hätte. Aus dem Hinduismus und Buddhismus sind die folgenden drei Kulte hervorgegangen. Im Tantrismus hat sich die Vorstellung von drei Kanälen entwickelt, die durch die Wirbelsäule führen, wobei der mittlere bei Tieren und gewöhnlichen Menschen verschlossen ist. Durch Tantrasex wird der mittlere Kanal geöffnet, und die zusammengerollte Schlange Kundalini steigt aus ihrer Basis empor.

Nachdem sie ein Chakra (
Sanskrit: "Rad, Kreis"; siehe Abbildung) nach dem anderen durchdrungen hat, wird sie schließlich vom obersten Chakra im Gehirn absorbiert, so dass die göttlichen Kräfte frei werden, die im Menschen potentiell immer schon vorhanden waren: Weisheit und Seligkeit. Die beiden anderen Kanäle (ida und pingala) werden durch Pranayama (Atemtechniken) geläutert. In den Naturreligionen gab es schon immer sexualmagi sche Praktiken. Viele sogenannte heidnische Religionen schlossen sexuelle Orgien und die Phallusvereh rung als Grundpfeiler ihres Rituals ein. Im Westen prakti zierte tantrische Rituale versu chen vor allem Einsamkeit, Isolation und sexuelle Verklem mungen zu überwinden. Sollte ich versehentlich Interesse ge weckt haben, nur so viel: beim Mann ist der Verzicht auf die Penetration und das zeitliche Hinausschieben und Verzögern des Samenergusses das A & O jeglichen Einstiegs. Bei der Pranayama-Praxis werden die unbewussten Atemmuster durch bewusst angewandte Techniken ersetzt, bei denen mit verschiedenen Muskelgrup pen gearbeitet wird, vor allem mit Zwerchfell, Brust-, Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Auf diese Weise können die Atembewegungen kontrolliert werden. Werden die Übungen des Pranayama regelmäßig praktiziert, wird das Atemvo lumen vergrößert und der Atem immer länger und feiner. Aus physikalischer Sicht kommt es bei so einer feinen, sehr langsamen Atmung zu einer nahezu turbulenzfreien, laminaren Luftströmung in den Atemwe gen und Bronchien, wodurch die biochemischen Gasaustauschpro zesse der Lunge optimiert werden. Weitere positive Effekte sind ein verringerter Sauerstoffbe darf, verringerter Pulsschlag sowie niedrigerer Blutdruck. Für einen Wessi lassen sich die Merk male der Pranayama-Atem technik am besten durch das Langstre cken-Brustschwimmen auto matisieren: über Wasser tief einatmen - unter Wasser ein oder zwei Armzüge mit Luftanhalten sowie ein Armzug zum Ausatmen. Die japanische Zen-Lehre wird als besonders alltagstauglich angesehen. Bei der vollkommenen Konzentration auf die zu erfüllende Tätigkeit wird bereits eine essentielle Forde rung erfült: die Gedankenfreiheit. Darunter versteht ein Asiate nicht, dass er denken dürfe, was er wolle ["Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie ziehen vorbei, wie nächtliche Schatten."], sondern dass sein Kopf von jeglichen Gedanken frei wird. Bei der Konzen tration auf das Hier und Jetzt ist der Weg das Ziel. Die Selbstvergessenheit kann auf verschiedene Art und Weise erworben werden, z.B. durch die Kunst des Bogenschie ßens [Kyudo]. Auch primitiv-indigene Völker wie die keltischen Druiden, die sibirischen Nomaden, die Eskimos und die Indianer haben extatische Kulte und Rituale entwickelt.

Zu den ältesten gehört der Schamanismus. Durch r
hythmisches Trommeln, Tanz, psychedelische Drogen und Fasten wird ein Trance zustand erreicht, der die Kommunikation mit der Welt der Geister ermöglicht. Als Zeremonienmeister kann nur der Schamane bei Stammesangehörigen diesen Zustand herbeiführen. Außer dem besitzt er die Kräfte des Heilens und Weissagens. Den Kranken muss er entweder, sofern sie vom Teufel besessen sind, diesen austreiben oder die verloren gegangene und einfangene Seele wieder in deren Körper einpflanzen. Das dauert ... ... Zu den negriden Errungenschäften gehören der Animismus (der Glaube an die völlige Beseeltheit der Natur und ihrer einzelnen Bestandteile; mit Amuletten wird die Angst vor bösen Geistern bekämpft) sowie der Voodoo-Kult, der mit den Sklaven von Westafrika (Benin, Ghana, Togo) nach Amerika (Haiti, Dominikanische Republik, Kuba, Louisiana, Nordostbrasilien) gewandert ist (siehe Abbildung oben). An zentraler Stelle steht dabei das Opfer von Tieren, der Genuss von Rum und Tabak, das Wieder beleben Verstorbener (Zombies) durch den Priester sowie der Tanz mit seinen Trommel-Rhythmen und Gesängen. Die Gott heiten ergreifen vereinzelt Besitz von den Tänzern (Besessenheit), die sich dabei in tiefer Trance befinden. Für einen Voodoo-Fluch bildet man das Opfer als puppengroße Wachsfigur nach. Dann benötigt man Gegenstände, die dem Opfer gehört haben: Haare, einen Zahn, ein Stück Kleidung. Notfalls durchsucht man mehrmals seine Mülltüten. Wenn man bei Kerzenlicht diese Teile an der Puppe befestigt, gibt man ihr gleichzeirtig den Namen des Opfers und beräuchert sie mit Weihrauch. Dann tötet man ein kleines Tier (z.B. einen Gockel) und beschmiert Gesicht und Genita lien der Puppe mit Blut. Anschließend sticht man einige Nadeln tief in die Puppe und rezitiert das Vater Unser rückwärts. In den folgenden drei Tagen fokussiert man die Puppe mehrmals während der Nacht und stellt sich möglichst lebhaft vor, was mit dem auserkorenen Opfer geschehen soll. Nachdem der Unfall innerhalb einer Woche stattgefunden hat, wickelt man die Puppe in ein schwarzes Tuch und wirft sie in einen Fluss.

Zu den tiefsinnigsten, ausgefeiltesten und mysteriösesten Kulten gehört der Nagualismus (siehe Abbildung). Er hat seinen Ursprung in den okkulten Riten toltekischer Schamanen, auch wenn der Begriff "Nahuatl" der Aztekensprache entstammt. Höchstwahrscheinlich existieren die Geheimorgani sationen aus der Blütezeit mittelamerikanischer Indianerhochkulturen nicht mehr. Aber einzelne Schamanen der Yaqui-Indianer in Sonora und Umgebung haben bis heute das ehema lige Herschaftsinstrument im Verborgenen weiterentwickelt und an geeigneten Nachwuchs weitervermittelt. Ursprünglich war der Nagual ein Tier, das den eingeweihten Indio sein Leben lang als persönlicher Schutzgeist begleitete. Mit bestimmten Techniken konnte man Kontakt zu seinem Nagual aufnehmen. Heute wird unter dem Nagual das verborgene Willenszentrum des Menschen verstanden, das er wecken kann, um in die parallel existierende magische Welt zu gelangen. Dazu muss er mit den Techniken des Schielens, der kontrollierten Torheit, des freien Tanzens, des Pirschens oder des bewussten Träumens den inneren Dialog und damit die Welt anhalten. Mit Hilfe von psylozibinhaltigen Pilzen, wie dem psychotropen Peyotl, ist es leichter, in die Welt des Nagual einzudringen als wieder in das Alltagsbewusstsein, das sog. Tonal, zurückzukehren. Auf dem Pfad des Kriegers begegnet der Adept vier schier unüberwindlichen Gegnern namens Angst, Erleuchtung, Macht und Alter. Wie üblich sind im Westen Schulen entstanden, in denen man magische Bewegungen, das sog."Tensegrity" und das "Verschieben des Montagepunktes" erlernen kann.

Für Kopfmenschen sind in den vergangenen Jahrhunderten zahlreiche filosofische Strömungen und politische Bewegungen entstanden (siehe Gemälde von Paul Gauguin: Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir?).
Der
Nihilismus ist eine Weltanschauung, die eine vorfindbare Sinnhaftigkeit der Welt bestreitet. Objektive Erkenntnis möglichkeiten und feststehende Wahrheiten werden verneint. Es werden keine absoluten Werte oder Normen des Denkens und Handelns, und somit auch keine allgemeingültige Moral, anerkannt. Der Anarchismus lehnt jegliche Herrschaft von Menschen über Menschen und jede Art von Hierarchie als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ab. Gesellschaftliche Zwänge und staatliche Organisationen werden ersetzt durch den freiwilligen Zusammenschluss von selbst-bestimmten Individuen und Kollektiven. Im Mittelpunkt des Zusammenlebens stehen Freiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Selbstverwirklichung der Individuen und kollektive Selbstverwaltung. Mit anderen Ideologien habe ich mich nicht ernsthaft beschäftigt. Vor allem möchte ich nicht, dass meine Memoiren durch Namen von politischen Parteien beschmutzt werden. Sie sind es nicht wert, erwähnt zu werden, weil der Ein- oder Mehrparteienstaat die Bürger nicht zum Subjekt, sondern zum Objekt staatlichen Handelns macht und ihm ständig seine Ohnmacht vor Augen führt. Aber keine Staats- oder Regierungs form kann dem Individuum die Orientierung für sein Leben ersetzen, die er sich nicht vorsetzen lassen, sondern im Laufe seines Lebens selbst suchen und finden sollte. Aber immer noch besser als gedankenlos übernommene Lebenseinstellungen sind gar keine.
Nach meinen bisherigen Lebenserfahrungen in einer Welt voller Gangster, Schläger, Betrüger und Irrer neige ich dazu, mich in erster Linie als Misanthrop zu fühlen.

Eine misanthrope Grundhaltung bewirkt nicht unmenschliche, antisoziale oder soziopathische Verhaltensweisen - der Misanthrop hält vielmehr das Streben nach menschlichen Idealen für abwegig, und findet so sein Spiegelbild in den altruistischen Idealisten mit ihrem aufopfernden Einsatz. Viele Gründe können Menschen dazu bringen, die Menschheit im Allgemeinen zu verachten wie z.B. der Wunsch nach einem nicht-menschlichen Nachfolger der Menschen. Oft schließt der Misanthrop von dem Ideal des Menschen, wie es seiner Meinung nach sein soll, auf alle Menschen und bemerkt dabei eine starke Abweichung. Das lässt ihn zu der Überzeugung gelangen, dass alle Menschen von Grund auf ungenügend sind. Offen ausgesprochen werden misanthrope Einstellungen vor allem im Wirkkreis von Satire und  Comedy, in denen die Hinweise auf Unzulänglichkeiten der menschlichen Art als Hilfsmittel zur humorvollen Bewertung von Geschichten dienen. Bei den extremen Fällen von Menschabscheu sondern sich Misanthrope ab und bevorzugen ein Einsiedlerdasein.
Die Theorie der Drei-Phasen-Misanthropie beschreibt den Stairway to Hell, also die Weiterentwicklung vom Durchschnitts- zum Super- bis hin zum Übermenschenhasser: Die Wege auf denen Außenseiter, geborene Verlierer und eingeborene Kanaken zu Misanthropen werden, sind verschlungen und individuell. Der 95%-Misanthrop konfrontierte sich immer wieder mit seiner verhassten Familie, bis er sich dann endlich abschottet (Beispiele: Angelo Kelly, Daniel Küblböck, Desiree Nick). Dieser Zeitgenosse hat sich damit abgefunden, integrierter Bestandteil eines ablehnungswürdigen Kollektivs einer unwürdigen Spezies zu sein. Er ist sich jedoch durchaus bewusst, selbst dazuzugehören. Er hegt deswegen nicht selten Aggressionen gegenüber sich selber und versucht den generellen Hass gegenüber scheinbar sympathischen Wegbegleitern auszublenden. Der 99,9%-Misanthrop (Beispiele: Thomas Anders, Robbie Williams) verbrüdert sich mit dem Feind und gibt sich immer wieder mit dem Teufel ab. In dieser Phase befindet er sich in totaler Ablehnung zu seiner Umgebung. Er gibt sich gerne Allmachtsphantasien hin und fühlt sich dem Rest gegenüber als überlegen. Teilweise kommt es zu einer Selbstinszenierung als Kämpfer gegen die Dummheit oder einen nicht näher definierbaren Abschaum. Da es ihm aufgrund seiner weit überdurchschnittlichen Intelligenz nicht verborgen bleibt, dass es andere geben muss, die seine Einstellung teilen, versucht er immer krampfhafter Mitstreiter bei seinen verabscheuungswürdigen Artgenossen zu finden. So kommt es zu Bündnissen mit jenen 0,01%, die sich in zum Scheitern verurteilten Liebschaften und platonisch-intellektuellen Beziehungen äußern. Der 100%-Misanthrop (Beispiel: Marcel Reich-Ranicki, Uli Hoeneß) betreibt verbitterte Hetze gegen alles und jeden. Der Betroffene sieht seinen Zustand als erstrebenswerteste Form der Existenz - ähnlich dem Nirvana der Buddhisten. Er hat keinerlei Bedürfnis mehr, in der ihn umflutenden Menge der Halbaffen nach Äquivalenten zu suchen. Er erkennt, dass es sein Schicksal ist als ultimativer, gottgleicher Paria die gegebene Situation bis zuletzt zynisch kommentierend oder auch nur autistisch in sich gekehrt zu erleben. Es ist dies die Phase, in der ein verstärkter Realitätsverlust eintritt und Sympathien für Massenmörder, Terroristen und Attentäter zu beobachten sind. Beispielsweise kann ein eher humoristisch-satirisch angedachter Spontispruch wie "Schmeiß die Bombe! Egal, es trifft den Richtigen!" auf einer öffentlichen Toilette zu hysterischen Lachkrämpfen und einem tiefen Gefühle der Verbundenheit mit dem Autor des Graffiti führen. Den Schritt zur Gewaltanwendung, zur Aufnahme des aktiven militanten Kampfes wird der Misanthrop in den allermeisten Fällen jedoch nicht machen, da es die scheiß Menschheit gar nicht Wert ist, mit soviel Aufmerksamkeit belohnt zu werden.

 
   
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