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Jahreshöhepunkte

III..Jahreshöhepunkteein Bild

Die wöchentlichen Höhepunkte wurden unterbrochen von saisonalen Highlights. Die Fastnacht im Februar hieß bei uns Pfälzer Winzerkindern “Fassnacht”. Als Cowboy oder Indianer Krach machen - diese Entscheidung musste jedes Jahr aufs Neue getroffen werden. Ich habe den Revolver mit Schießpulver bevorzugt, Jahre später dann aber meine Sympathie für die untergegangene Welt der Indianer entdeckt. Im März fand die erste Kerwe statt, ein von “Kirmes” bzw. “Kirchweih” abgeleitetes Straßenfest auf dem Maifeld mit Autoscooter, Schiffschaukel und Mohrenköpfen. Ja, so hießen die Negerküsse damals. Im April folgte zunächst der Bau eines Osternestes aus Weidenflechten und mit Moosboden. Dann, sonntagmorgens - nach dem Kirchgang, versteht sich - das Ostereiersuchen im Garten hinter dem Haus, wo der Triefenbach vorbeifloss. Eine spannende Angelegenheit mit großen Erfolgserlebnissen: im Gebüsch die farbenfrohen Hühner-, im Nest die süßen Schokoeier. Dann kam der Zirkus in unsere kleine Stadt. Wir Jungen wurden angeheuert, durften helfen das Krone- oder Busch-Zelt aufzubauen. Als Lohn ließen wir uns dankbar und voller Vorfreude eine Freikarte für eine verkürzte Nachmittags-Vorstellung aushändigen. Elefanten- und Pferdegeruch lag in der Juni-Luft. Manege frei für Jongleure, Clowns und Feuerspucker. Und die Musi spielt dazu. Wir konnten kaum genug kriegen. Während der Abend-Vorstellung schlichen wir uns ans Zirkuszelt, um durch einen Schlitz zwischen den Planen die uns entgangenen Drahtseilakrobatinnen und Tigerdressuren zu bestauen. Im Juli und August wurde der größte Teil der Ernte eingefahren. Krummbeeren - wie die Kartoffeln in der Pfalz heißen - aufzulesen und in Körben einzusammeln war zwar eine elende Bückerei, aber die leicht angebrannten Bück-, äh Backkartoffeln und der frische Quark mit Schnittlauch und Zwiebeln [“weißer Käse”] haben während der Mittagspause umso besser geschmeckt. Fast wie im Zirkus habe ich mich bei der Weizen- und Heuernte gefühlt. Hoch auf dem gelben Wagen hatte ich die mir mit der Mistgabel hochgeschleuderten Getreide- bzw. Heuballen zu stapeln, immer höher und höher. Die Heimfahrt war eine entsprechend wacklige Angelegenheit. Und das alles für eine einzige Milchkuh. Die wertvollen Weizenkörner wurden bereits vorher mit Mähdreschern von der Spreu getrennt. Kerwe Nr. 2 fand im August auf dem Ludwigsplatz statt. Wieder Karussells, Schießbuden und Zuckerwatte. Wenn ich mich recht erinnere, umfassten diese Schaustellereien zwei Wochenenden.

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Im September folgte bei Sonne und Regen, Kälte und Nebel die Weinlese. Viel lieber als die Trauben zu schneiden, habe ich sie in einer Hotte die Zeile entlang zum Fuhrwerk getragen, um sie von einer Leiter aus in den Zuber zu kippen. Das durfte ich nur, wenn mein Vater anderweitig beschäftigt war, wenn er zum Beispiel das Mittagessen besorgt hat. Köstlich - Eintopf mit Würstchen, das gab es sonst nie. Am frühen Abend wurden die Trauben nach Hause gefahren und gemahlen. Die Maische wurde mit der Öchsle-Waage gewogen - wenigstens 80 Grad war die bange Hoffnung - und in die Kelter gekippt. Beim Auspressen floss der Most ins Fass, während der Trester wiederverwertet wurde: nach dem Zerkleinern wurde er mit Zuckerwasser vermischt und nach der weiteren Verarbeitung als gepanschter Fusel (Hauswein) verwendet. Während des Gärungsprozesses war die Bodenluft im Keller stark kohlendi- und -monoxidhaltig. Gefährlich für unsere Miezekatze, doch auch wir wurden davor gewarnt. Nie habe ich mich getraut, mal einen Geruchstest durchzuführen. Stattdessen durfte ich ein Glas neuen Wein, Federweißer genannt, trinken und mich ein paar Wochen später durch die schmale Öffnung in die Fässer zwängen, um von den Innenwänden die abgelagerten Bestandteile aus Hefe und Weinstein abzukratzen. Dabei war ich mir nie sicher, ob ich jemals wieder hinaus käme.
Auf die Weinlese folgte - gleichzeitig mit dem Münchner Oktoberfest - das Weinfest. In einem großen Zelt auf dem Maifeld wurde gesoffen, dass sich die Balken bogen. Meine Mutter zog es vor auf dem Tisch zu tanzen und zu singen [drei Beispiele siehe unten]. Am Weinglas hat sie höchstens mal genippt. Ich war kein Freund dieser angesagten Schunkel-Fröhlichkeit; meinen Eltern war es sowieso lieber, wenn ich nicht dabei war.

Trink, trink, Brüderlein trink,
Lass doch die Sorgen zu Haus!
Meide den Kummer und meide den Schmerz,
Dann ist das Leben ein Scherz,
Meide den Kummer und meide den Schmerz,
Dann ist das Leben ein Scherz!

                                                Kornblumenblau,
                                      ist der Himmel am herrlichen Rheine.
                                      Kornblumenblau,
                                      sind die Augen der Frauen beim Weine.
                                      Darum trinkt Rheinwein, Männer seid schlau,
                                      dann seid am Ende auch ihr kornblumenblau.
Wenn das Wasser am Rhein gold’ner Wein wär,
ja dann möcht ich so gern ein Fischlein sein.
Ei, was könte ich dann saufen,
bräuchte keinen Wein zu kaufen,
denn das Fass vom Vater Rhein
würd niemals leer.
                                                      Heute blau, und morgen blau
                                           Und übermorgen weider.
                                           Und wenn wir einmal nüchtern sind,
                                           Besaufen wir uns wieder.

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Im Oktober fand die Ackerbausaison ihren Abschluss. Zeit, sich verstärkt der Viehzucht zuzuwenden. Der ein halbes Jahr lang gemästeten Sau ging es im November an den Kragen. Mit einem Schlagbolzen an der Schäfe wurde das vor Todesangst quietschende Haustier ins Jenseits befördert und in seine Bestandteile zerlegt. Gegen Mittag - das Gemetzel war schon fast vergessen - kamen die ersten Produkte des Schlachtfestes auf den Esstisch: Metzelsuppe war zwar nicht so mein Ding, dafür aber Bratwurst mit Krummbeerbrei und Sauerkraut um so mehr. Einmal im Jahr durfte ich mich auf Wurstaufschnitt von der Metzgerei freuen: am Nachmittag des Heiligabends. Endlich mal keine Leber- und Griebenwurst, keinen Schwartenmagen oder Schinkenspeck. Und zu allem Überfluss lagen abends auch noch Geschenke unter dem Christbaum. Auch von mir. Wir haben im Zeichenunterricht Weihnachtsgeschenke gebastelt. Einmal ist mir ein Schemel mit einer Mosaikplatte gelungen, auf dem noch nach Jahrzehnten eine Zimmerpflanze stand. Geöffnet werden durften sie aber erst nach ein paar Weihnachtsliedern. Gut, dass wenigstens eine singen konnte: meine Mutter. Die anderen murmelten und grummelten so vor sich hin. Manchmal konnte man sich mit einem Geschenk spielend die Zeit bis Silvester vertreiben, dem letzen Höhepunkt eines Jahres, wenn nur noch ein einziges Spielzeug angesagt war: Knallkörper. Einmal habe ich einen dieser “Kracher”, dessen Lunte nicht zünden wollte, wieder in die Tasche gesteckt. Er hat es sich dann doch noch überlegt und die Knallfrösche gleich mit entzündet. Als ich spontan einen Veitstanz aufführte, hat sich mein Kumpel totgelacht - armer Kerl. Zwei große Ausnahmen begleiteten den Jahreswechsel: leckeren Glühwein und Aufbleiben bis nach Mitternacht.
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