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Bühne 2007

Theateraufführungen 2007

Palazzo im Spiegelzelt

(Berliner Zeitung, 30.11.2007)

Drei Stunden Wein, Weib und Gesang für 100 Euro werden vom Flying Dreams Orchestra im Lehrter Stadtquartier geboten. Das Herzstück ist ein kellnernder Chor mit 17 gecasteten, stimmgewaltigen, internationalen Interpreten aus Oper, Musical, Chanson, Rock, Jazz und Gospel. Die 15 Chornummern reichen von ACDC und ABBA bis Verdi. Karim Sfaxi lässt es bei Rammstein krachen und auch der König von Deutschland stattet einen Besuch ab. In der intimen Atmosfäre des Spiegelzeltes am Hauptbahnhof bringt der Sänger das Essen an den Tisch, während der Besucher Teil des Chores wird. Aber auch die geschmeidige Tänzerin in der Plexiglaskugel ist eine Augenweide.


Argentinische Reichensiedlung
(Berliner Zeitung, 30.11.2007)

Die argentinische Choreografin Constanza Macras, die zuletzt Shakespeares "Sommernachtstraum" in eine Sex- & Drogenparty verwandelte, bringt mit ihrer Compagnie Dorkypark ein sozialkritisches Tanzstück auf die Schaubühne am Lehniner Platz.
Brickland heißt eine "Gated Community" nahe des Flughafens in Buenos Aires. Mit ihren Häuschen im französischen Stil dient diese Reichensiedlung als inhaltliche Inspiration. In atemberaubenden Choreografien und dem "Dorks"- typischen Witz werden beklemmende Episoden aus den Ghettos der Dritten Welt erzählt.


Sissi und der Tod (Berliner Zeitung, 30.11.2007)
I
m Frühjahr 2008 wird das erfolgreichste original- deutschsprachige Musical im Theater des Westens präsentiert. Über sieben Millionen Zuschauer in zehn Ländern sahen das Stück über das Leben der als "Sissi" bekannt gewordenen österreichischen Kaiserin Elisabeth. Eine selbstbewusste Frau setzt sich gegen alle Widerstände durch. Ihr Leben am Wiener Hof, das wie ein Märchen begann, entwickelte sich schnell zu einem Drama voller Entbehrungen und Machtkämpfe. Als moderne und starke Frau kämpfte sie gegen die persönlichen und höfischen Zwänge an - und scheiterte auf tragische Weise.


Tanz der Vampire (Berliner Zeitung, 30.11.2007)
Nach der bisher einjährigen Spielzeit im Theater des Westens verwandelte das Grusical Tanz der Vampire bereits eine halbe Million Besucher in neue Vampirfans.
Ein tolpatschiges Vampirjäger-Duo geht auf die Jagd nach dem legendären Vampir Graf von Krolok. Beim Versuch, die Tochter eines Gastwirtes vor dem Blutsauger zu retten, geraten sie in eine Familienfeier der Untoten. Oscar-Preisträger Roman Polanski führte zum ersten Mal an einem Berliner Theater Regie und war begeistert: "Er war sehr aufregend, in Berlin frisches Blut für Vampire zu finden." Im März 2008 geht der Spuk zu Ende.


Prima Klima (Berliner Zeitung, 30.11.2007)
Drei Schüler langweilen sich schrecklich in den Ferien und kommen auf die gefährliche Idee, den versteckten Garten eines verschrobenen Klimaforschers zu erkunden. Dort finden sie einen mit Solarkraft betriebenen Kühlschrank und andere Kuriositäten. Auf dem Gelände des Gartens sollen Parkplätze für ein Einkaufszentrum entstehen. Doch der als "Katzenmörder" und "Kinderfresser" verschriene Sonderling, der den Eltern schon lange ein Dorn im Auge ist, weigert sich hartnäckig, sein Grundstück einer Baufirma zur Verfügung zu stellen. Die turbulente Abenteuergeschichte für Kinder und Jugendliche erzählt von den Folgen und Gefahren des Klimawandels und von dem verschwenderischen Umgang mit Energie durch unsere hochtechnisierte Lebensweise. Das Stück wird im Grips-Theater am Hansaplatz [ur]aufgeführt.


Caveman meets Cavewoman
(Berliner Zeitung, 30.11.2007)

6500 ausverkaufte Shows und 3,5 Millionen begeisterte Zuschauer in sieben Jahren belegen den Erfolg dieses ebenso charmanten wie witzigen Beziehungshelfers Caveman, der unter der Regie von Esther Schweins mit seinem Crashkurs in zwischengeschlechtlicher Kommunikation schon so manche Partnerschaft gerettet hat. In der Jubiläumsshow startet die Sammlerin Cavewoman dem jagenden Höhlenmann zum Pas de Deux einen einmaligen Besuch ab. Im Anschluss erforschen die Darsteller und Besucher das Verhalten geschlechtsreifer Höhlenmenschen zur Partyzeit im Glashaus der Arena Berlin.


Grenzgänger (Berliner Zeitung, 30.11.2007)
To be straight with you
basiert auf unzähligen Interviewstunden mit Menschen, deren Sexualität aufgrund ihrer Religions- oder Glaubenszugehörigkeit tabuisiert wird. Die schockierenden Stücke des Mitbegründers Lloyd Newson erforschen die Grenzen von Toleranz, Religion und Sexualität, indem die Londoner Tanzkompagnie die Grenze zwischen Tanz und Theater überwindet. Im Rahmenprogramm der spielzeit'europa im Haus der Berliner Festspiele werden Filmadaptionen ehemaliger DV8-Bühnenstücke präsentiert. So erzählt "Dead Dreams of Monochrome Men" mit waghalsigen Aktionen die Geschichte eines Londoner Serienmörders, während "Enter Achilles" eine erbarmungslose Studie der männlichen Psyche zeigt. Die Angst vor dem Ausgeschlossensein kann man in Strange Fish miterleben.



Herr der Fliegen

www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/

Am Hamburger Schauspielhaus läuft eine Parabel auf die Brüchigkeit der Zivilisation, in der Jugendliche zu Killern werden. Silberblaues Scheinwerferlicht bricht sich auf dunklem Holz. Kunstnebel quillt aus einem quadratischen Metallgitter. Mehrere Mädchen mit T-Shirt, Minirock und Kniestrümpfen trinken Kunstblut aus Plastikflaschen und speien es sprühend in die Luft. Marika, 16, lehnt lässig am Metallkran. Schweiß und Blut glänzen auf ihrer schwarzen Haut. "Wir haben das Schwein getötet", schreit sie so laut, dass die ersten Zuschauerreihen erschrocken zusammenzucken. 40 Schüler aus 24 Hamburger Schulen führen den Jugendbuchklassiker "Herr der Fliegen" von William Golding auf.

Der Roman erzählt die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die auf einer Insel stranden. Anfangs werkeln die Kids noch zusammen an Hütten und versuchen, durch ein Feuer Hilfe herbeizurufen. Wenig später bemalen sie sich mit Blut, schlitzen Schweinen die Kehle auf und huldigen einem aufgespießten Eberkopf als Totem. Initiator ist der Verein Atlantic Forum. Dessen Ziel ist es, Jugendlichen übers Theaterspielen gesellschaftliche Werte zu vermitteln, dem Prekariat ebenso wie den Wohlstandsverwahrlosten. Regisseur Daniel Wahl entschied sich für ein Stück, das sich auch mit jugendlichen Laiendarstellern gut aufführen lässt. Er modelte das Stück komplett um, reduzierte radikal die Dialoge, dampfte komplexe Plot-Passagen ein und entindividualisierte die differenzierten Charaktere passagenweise zu zwei im Chor skandierenden Gruppen. Auf der Bühne herrscht neunzig Minuten choreographiertes Chaos. Während drei Hauptdarsteller Dialoge sprechen, turnen das übrige Ensemble in schwindelerregendem Tempo auf Krangerüsten herum, spurten in konzentrischen Kreisen um die Bühne, rutschen Holzrampen auf Plastikkisten herunter und skandieren lauthals Parolen wie "Blut durch Tod!" Ständig flackern irgendwo silberblaue Lichter. Nebelfontänen schießen zischend zur Saaldecke. Meeresrauschen, Holzbläserklänge und laute Technomusik wabern abwechselnd durch den Saal. Spätestens wenn sich mehrere Darsteller auf Russisch oder Türkisch unterhalten und ein Schüler sie mit "Red mal Deutsch!" anranzt, schwebt das Thema Integration ironisch gebrochen im Raum. Eine Schlüsselszene der Geschichte, in der ein Junge im Blutrausch ermordet wird, wirkt wie ein ekstatischer Rave.
 
   
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