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XXIII---All or Nothing

Es war eine gelungene Idee, ein Kapitel für Krimskrams vorzusehen: Ereignisse, die es wert sind erwähnt zu werden, aber nicht die Bedeutung haben, um sie explizit und eigenständig hervorzuheben. Die folgenden Aspekte zeichnen sich auch nicht dadurch aus, dass sie miteinander in Verbindung stehen oder in einer ganz bestimmten Reihenfolge stattgefunden haben.

1) Das erste ernsthafte Ritual, um mich in die Gesellschaft fest zu integrieren, hieß Konfirmation. Wie die Bezeichnung besagt, soll der junge Mensch bestätigen, dass er dem christlichen Glauben angehört, um damit Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde zu werden. Derartige Initiationsriten sind weit verbeitet. Das katholische Pendant heißt Kommunion, in der DDR fand die staatlich organisierte Jugendweihe statt. Rauhere Sitten findet man außerhalb Europas. In einigen afrikanischen Ländern wird nach wie vor die Beschneidung durchgeführt, bei der Mädchen und Jungen dadurch verstümmelt werden, dass man ihnen die Vorhaut, die Klitoris oder die kleinen Schamlippen abschneidet. Auch das Zuspitzen der Schneidezähne mit einem Meißel wird immer noch praktiziert. Manche Gesellschaften verheiraten ihre Kinder, indem sie Kinderehen arrangieren. Die Konfirmation musste in der achten Klasse stattfinden, weil früher eine achtjährige Schulpflicht bestand und der Kandidat zum einen ja eine eigenständige Entscheidung fürs Leben treffen oder zumindest seine Konfession bestätigen sollte, zum anderen aber noch für die Prüfung während des Gottesdienstes im Religionsunterricht vorbereitet werden musste. Aus meiner Sicht wurde mir meine Freizeit gestohlen für eine Sache, die mich nicht interessierte. Da Religionsfreiheit aber erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres begann, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Immerhin hatte ich in Religion immer eine "1" und wusste, dass das Schmierentheater bald vorbei sein würde. Nach der Bundeswehr habe ich dann meine Konsequenzen gezogen und bin aus der Kirche ausgetreten.

2) Meine Tanzstunde ist mir in bleibender Erinnerung geblieben, wenngleich nichts passiert ist, was mein weiteres Leben beeinflusst hätte - oder doch? In der elften Klasse war dieses Thema angesagt. Ich fühlte mich noch zu jung und habe ein Jahr länger gewartet als meine Mitschüler, so dass ich kaum jemand kannte, obwohl die Tanzschule Wienholt im Landauer Südring als einzige im Gespräch war. So war es nicht ganz einfach, in dieser verkrampften Atmosphäre Kontakte zu knüpfen bzw. Mädchen zum Tanzen aufzufordern, da ein großer Teil von ihnen bereits vergeben war, zumindest für diesen Zeitraum. Mit einer festen Partnerin ist es allerdings auch wesentlich einfacher, die Tanzschritte zu erlernen. So kam auch keine allzu große Begeisterung bei mir auf. Einen Modetanz gab es nicht und die Standardtänze wie Quickstep, Slowfox, Tango und Walzer habe ich später ohnehin fast nie wieder benötigt. In den folgenden Jahren war entweder der Stehblues angesagt oder das Freistiltanzen ohne Körperkontakt.
3) Von der regulären Schulzeit abgesehen war das dritte bedeutende Ereignis die
Fahrschule in meinem Heimatort. Bereits bei der ersten Fahrstunde erklärte mir mein Fahrlehrer, dass er leicht erkennen könne, dass ich bereits Fahrpraxis habe. Er meinte mit dem Auto, doch da hatte er unrecht. Bis zu diesem Zeitpunkt, ich war 17, war ich lediglich Rollschuhe, Schlitten, Fahrrad, Moped und Traktor gefahren. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt und fuhr auf der Bundesstraße schneller als es meinem Unvermögen entsprochen hätte. Doch alles ging gut;

auch die schriftliche Prüfung war kein Problem. Dann kam, im Sommer 1966, der Tag der praktischen Prüfung, die in Landau stattfand, wo ich allerdings nicht vel mehr kannte als den Weg zwischen Bushaltestelle, Schule und Eckkneipe. Das konnte nicht gut gehen, zumal ich von acht Fahrschülern der einzige männliche war. Dann erfuhr ich, dass ich als Letzter an der Reihe war. Und der Hammer war: sechs der sieben Hausfrauen vor mir fielen durch - eine nach der anderen. Jedesmal sickerte durch, welchen Bock die Fahrschülerin geschossen hatte. Eine schaffte es noch nicht einmal loszufahren. Sie hatte in den Rückspiegel gesehen, die Handbremse gelöst, Gas gegeben: nichts passierte. Als sie bemerkte, dass sie vergessen hatte, den Motor zu starten, war es zu spät. Gegen Mittag war ich an der Reihe. Alles ging gut, bis der Prüfer auf die verrückte Idee kam, von mir zu verlangen, in eine viel zu enge Parklücke rückwärts einzuparken. Ich wusste: das geht schief, und diese Vorahnung habe ich auch deutlich zum Ausdruck gebracht. Der Prüfer war nicht umzustimmen; wusste er nicht, dass ich nur zwölf Fahrstunden absolviert hatte oder war genau dieser Umstand Anlass für ihn, mich zu ärgern. Es kam, wie es kommen musste: ich stieß gegen die Stoßstange des hinteren Wagens. Wir stiegen aus und fanden auf den ersten Blick keinen Blechschaden. Da kam der Besitzer und sagte, wir könnten weiterfahren, es sei nichts passiert. Ich war erstaunt, dass ich tatsächlich wieder ans Steuer durfte. Einige Minuten später dann Vorfall Nummer zwei. Vor mir eine unbeschilderte Kreuzung: rechts vor links. Ich sollte geradeaus weiterfahren, hielt aber vorschriftsmäßig an und schaute nach rechts. Mitten auf der Straße schob ein Radfahrer sein Rad auf die Kreuzung und blieb stehen, als er mich sah. Wir sahen uns an, und keiner wusste, was er tun sollte. Als es mir zu blöd wurde - mein Magen knurrte schon - fuhr ich weiter. "Ich habe gar nicht gesehen, dass der Radfahrer auf seine Vorfahrt verzichtet hat", blökte es neben mir. Ich hatte noch nicht einmal Zeit mir zu überlegen, ob ein Fußgänger Vorfahrt haben kann, da meldete sich laut und vernehmlich mein Fahrlehrer: "Doch, doch, er hat gewunken!" Gewinkt, gewankt, gewunken - egal, ich konnte weiterfahren. "Noch eine nichtbestandene Prüfung heute ertrage ich nicht", wird sich mein Fahrlehrer wohl gedacht haben. Als nach dem Mittagessen das Prüfungsergebnis bekannt gegeben wurde, sagte der Prüfer zu mir: "Wissen Sie, was das war?" Keine Ahnung, wovon er sprach. "Das war scheintot," konstatierte er mir. Jubel, Trubel, Heiterkeit! Das konnte nur bedeuten: ich hatte bestanden! Ein paar Jahre später durfte ich in Freiburg nach einer einzigen Fahrstunde auch den Motorradführerschein machen, so dass ich die Klassen 1, 3 und 4 hatte. Doch Motorrad- und Traktorfahren reizten mich nur wenig, obwohl ein ehemaliger Mitschüler, Karl-August, eine geile 500-er Kawasaki fuhr. Da erblasste ich doch vor Neid.

4) Mit 500 Kubik fing auch ich an, nachdem ich eine Zeitlang die Gegend mit dem Renault meines Vaters unsicher machen durfte, den ich mit vier weiteren Insassen bei Glatteis auf dem Weg zu einer Dorfdiscothek in den Straßengraben fuhr. Beim zweiten und dritten Unfall gab es sogar eine Gerichtsverhandlung. Zunächst war ich bei Schnee auf einer Landstraße links abgebogen. Der mir entgegen kommmende Fahrer fuhr (trotz Tempobegrenzung) viel zu schnell, machte eine Vollbremsung und rutschte in den Graben. Hätte ich damals doch bloß Fahrerflucht begangen! Mein doofer Rechtsanwalt erreichte, dass mir eine Mitschuld aufgebrummt wurde, obwohl ein Gutachten bewies, dass dem Unfallfahrzeug bei angepasster Geschwindigkeit nichts passiert wäre. Beim zweiten Unfall konnte man mir kein Fehlverhalten nachweisen. In einem Nachbardorf wollte ich einen Trödler überholen, der plötzlich links abbiegen wollte und auf der rechten Seite meinen Wagen ramponierte. Zum Glück saß da als Prellbock meine Mutter. Da ahnte mein Vater, dass es besser sei, wenn ich einen eigenen
Personenkraftwagen hätte. Der erste, ein roter 500-er Fiat, war zu klein, zu laut und zu langsam. Mit ihm konnte ich zwar von der Kaserne in Speyer nach Hause fahren, von München aus als Gefreiter aber keine großen Sprünge machen. So bekam ich einen 850-er Fiat, der mich während meiner Studienzeit begleitete und mit dem ich unfallfrei Frankreich, die Iberische Halbinsel, den Ostblock und die Balkanhalbinsel bereiste. 1974, anlässlich meines ersten Staatsexamens, gönnte mir mein inzwischen zum Major im Ruhestand beförderter Vater einen Alfasud - endlich ein richtiges Auto! Ein flotter Flitzer. Warum ich drei Jahre später, nach dem Tod meines Vaters, den Alfasud verkauft und seinen behindertengerechten Wagen übernommen habe, ist mir schleierhaft. Doch bereits 1978 war ich ihn wieder los. Freya, meine Lebensabschnittspartnerin, kaufte eine grüne Ente, einen 2CV [deux chevaux]. Nach unserer Trennung versuchte ich es noch ein paar Jahre mit einem gebrauchten Opel Kadett, bevor ich 1988 das Handtuch warf und zunächst auf ein Sportrad umstieg.

Bereits 1990 war mir die morgentliche Radtour zur Schule zu strapaziös, sodass zusätzlich eine BVG-Umweltkarte fällig war. 2003 ersetzte ich dann mein Fahrrad durch eine mintgrüne Vespa GT 200L. Wenn Autofahren nicht so teuer [Anschaffung, Steuer, Versicherung, Benzin, Knöllchen, Inspektionen, Reparaturen, Reifenwechsel, Wertminerung] geworden wäre oder ein Glücks- oder Gewinnspielgewinn mein Konto aufgefüllt hätte, wäre eine Großraumlimousine, z.B. ein Multivan, oder ein Wohnmobil, wie der Mercedes Sprinter Kombi Kompakt mit Hochdach, der Renault Trafic oder der Opel Vivaro mein mobiler Traum gewesen.

5) Ein anderer Aufenthaltsraum spielt eine noch wesentlichere Rolle als das Auto: die eigenen vier Wände. Aufgewachsen bin ich in einem Haus mit Wohnküche, Salon, Schlafzimmer der Großeltern, Schlafzimmer der Eltern, Mehl- und Getreidespeicher, Viehstall und Keller. Im Laufe der Jahre wurden Hof und Scheune betoniert, Wohnzimmer und Küche voneinander getrennt, der Garten eingesäumt und begradigt, ein kleines Zimmer für mich, ein Badezimmer und eine Toilette gebaut, der Mehlspeicher in ein Schlafzimmer für meine Eltern umgebaut, ihr altes Schlafzimmer meiner Schwester zur Verfügung gestellt und die Treppe vom Hochparterre [allerdings wurde dieser Begriff nicht verwendet] in den ersten Stock erneuert. Mein "Doppelzimmer" im ersten Stock mit Blick auf das etwa sechs Meter entfernte Nachbarhaus bestand aus einem winzigen, etwa 6 m² großen Raum mit Schreibtisch und Gasheizung sowie einem unter dem Schrägdach liegenden, etwa 8 m² großen Schlafraum mit Bett und HiFi-Anlage. Meine Mutter macht das Bett und reinigte die beiden Teilräume. Wenn ich nachmittags oder abends am Scheibtisch saß, war meine Großmutter zufrieden, weil sie dachte, ich würde meine Hausaufgaben machen. Bei der Bundeswehr, von 1967 bis 1969 wohnte ich in einer Kaserne mit Doppelbett-Stuben, also vier bis sechs Leuten in einem Raum. Die Betten waren zu kurz und quietschten, im Spind war für private Klamotten kein Platz - kurz: als Aufenthaltsraum waren diese Zimmer ungeeignet. Meine erste Studentenbude befand sich in Dudweiler, einem Vorort von Saarbrücken.

Nach einem Dreivierteljahr zog ich bereits um in den Haierweg in Freiburg. Hier, am Stadtrand, dreieinhalb Kilometer von der Uni entfernt, lebten Häuslebauer und viele Schäferhunde. Meine kleine Kellerwohnung hatte einen Hintereingang, so dass ich unbeobachtet die eine oder andere Braut abschleppen konnte. Erst, als mich die beiden Schäferhunde meines Vermieters auf der vor dem Haus gelegenen Wiese jagten und ich mich nur noch mit Müh und Not in mein Auto retten konnte, war mir klar, dass nach zweieinhalb Jahren wieder ein Umzug fällig war. So landete ich im Grünen bzw. In der Breite in Umkirch,etwa sieben Kilometer von der Uni entfernt. In aller Herrgottsfrühe wurde man jeden Morgen durch Landlärm aus dem Schlaf gerissen. Bald merkte ich: ein Vogelschwarm hatte seinen Treffpunkt vor mein Schlafzimmerfenster gelegt. Das war ein untrügliches Zeichen, mein Studium ernster zu nehmen. So saß ich zur damaligen Zeit bereits morgens um 8 h im Hörsaal. Aber ein Dauerzustand war das nicht. Nach einem weiteren Dreivierteljahr kehrte ich reumütig nach Freiburg zurück. Anfang 1973 zog ich zunächst in die Schwabentorstraße, in eine zentrale, verwahrloste Bude mit enormem Verkehrslärm und drei Monate später in die Britzingerstraße. An diese Wohnung fehlt mir jegliche Erinnerung, habe aber den Verdacht, dass es sich um eine Wohngemeinschaft gehandelt hat, in der vorübergehend ein Platz frei war. Ein Vierteljahr später zog ich dann in ein Studentenwohnheim in der Lehenerstraße: ins Ulrich-Zasius-Haus [siehe Foto oben]. Das UZH war für mich eine neue Wohnerfahrung. Zwar kannte ich schon billige Bruchbuden, kalte Kellerwohnungen, Mehrpersonenräume in Krankenhäusern, Jugendherbergen und Kasernen, aber noch kein Einzelzimmer im elften Stock eines Hochhauses mit Gemeinschaftsküche, -klo und -dusche. Das studentische Zusammenwohnen war aus meiner Sicht relativ angenehm: man konnte sich in sein Zimmer zurückziehen, im Aufenthaltsraum Kontakt suchen und sich am Schwarzen Brett über das Studium, Gott, Veranstaltungen und die Welt informieren. Und man wusste, dass man eine faire, transparente Monatsmiete hatte und sich im Falle eines Falles an die gewählten Vertreter des Hauses wenden konnte. Freiwillig wäre ich nicht mehr ausgezogen. Doch 1975 musste ich nach Westberlin abwandern. Zum Glück konnte ich für ein paar Wochen bei einem Kumpel wohnen, bis ich eine eigene Wohnung gefunden hatte: eine Altbauwohnung mit Ofenheizung und Außentoilette in der Kreuzberger Solmsstraße.

Weil ich im Winterhalbjahr keine Briketts schleppen wollte, ließ ich mich von meiner nachgewanderten Freundin Conny und einem Landsmann überreden, in die Charlottenburger Otto-Suhr-Allee zu ziehen. In einer riesigen Wohnung in der zweiten Etage hatten offiziell acht Personen jeweils ein Zimmer. Wir trafen uns morgens und abends in der Küche und hatten eine Gemeinschaftskasse für die Lebensmittel. Da geschlossene Zimmer unerwünscht waren, zuviel gekifft wurde und Tag und Nacht laute Rockmusik durch den Flur dröhnte, zog ich nach einem halben Jahr von einer Wohngemeinschaft in die nächste: in der Friedenauer Isoldestraße durfte ich mit drei jungen Frauen zusammenwohnen. Ich hatte ein schönes Doppelzimmer mit Wohn- und Schlafbereich. Toilette, Bad und Küche waren Gemeinschaftseinrichtungen. Ich fühlte mich wohl. Das dümmliche, rothaarige Kücken mochte mich, die große, hübsche Brünette war tolerant-indifferent und in festen Händen. Lediglich die langweilige Blondine entpuppte sich als Problem. Nach einem Dreivierteljahr teilte sie mir unvermittelt und aus heiterem Himmel schriftlich mit, dass sie mir miesem Untermieter, der nachts Weiber mit auf sein Zimmer nimmt, 14 Tage Zeit gäbe, die Koffer zu packen, wenn ich eine Zwangsräumung vermeiden wolle. Ich ließ mich nicht unter Druck setzen, suchte aber intensiv und wurde nach ein paar Wochen fündig. 28 Jahre lang, von 1977 bis 2005, wohnte ich ohne Aufzug, ohne Vorgarten und ohne Balkon in einer nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten 62-m²-Wohnung im vierten Stock eines sanierungsbedürftigen Hauses in der Charlottenburger Schlossstraße mit Wohn- und Schlaf zimmer, Küche, Bad und Flur. Starke Nerven waren erforderlich, um das nächtliche Düsenkühlaggregat im Hinterhof, Türkenmusik, Straßenlärm und Pizza- und Dönergestank zu ertragen. Unfassbar, dass ich es drei Jahre lang mit meiner damaligen Freundin in dieser verwahrlosten, überfremdeten Gegend ausgehalten habe. Meiner jahrelangen Umzugsabsicht fehlte der konkrete Anlass. Diesen hatte ich erst, als mir der neue Hausverwalter mitteilte, er wolle mich aus der Wohnung heraushaben. Ich bräuchte nicht zu renovieren, er bezahle mir den Umzug und gebe mir eine Abfindung. Im Herbst 2005 zog ich in die Eislebener Straße in Wilmersdorf um: zweiter Stock, kein Aufzug, kein Balkon, kein Schlafzimmer, knarrende Böden, 70 m², zu teuer [Küchenblick siehe Foto oben]. Aber ein über 40 m² großes Wohnzimmer. Werde ich jemals, insbesondere wegen der Musikschule, frühmorgentlichen Müllabfuhr und Hotellieferanten und des enormen Trittschalls, wieder umziehen, vielleicht sogar Berlin verlassen? Mein Traum von der Schmargendorfer Eigentumswohnung war schon vor Jahren geplatzt [siehe folgendes Kapitel].

6) Im Laufe der Jahrzehnte musste ich leider feststellen, dass es weltweit und nicht zuletzt in Deutschland von Kriminellen, Gewalttätigen und vor allem Betrügern nur so wimmelt. Ich musste lernen, dass deutsche Richter Feiglinge, Schlappschwänze und aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, Straftaten zu sühnen. Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass deutsche Staatsanwälte mit Rechtsanwältinnen von Betrügern kollaborieren und Verfahren einfach per Ordre de Mufti einstellen. Fall Nr. 1) So wurde ich drei Tage nach der offiziellen Währungsumstellung beim Versuch mein Bargeld vom DM in Euro umzuwechseln, von zwei hässlichen Türken aufs Übelste beleidigt. Am Eingang zur Commerzbank (in der Bismarckstraße) in der Schlange stehend, bemerkte ich, wie eine türkische, sich dumm stellende Sippe nach vorne schleichen wollte. Als ich sie darauf hinweisen wollte, dass in Deutschland Schlangen auch für Ausländer gelten, wurden mir mintenlang laut und aggessiv die übelsten Wörter entgegengeschleudert, wie "Arscheloche", "Wixxer", "Fick dich", "Du Hurensohn". Ich bat einen Angestellten, die Polizei zu holen, hatte aber gehofft, dass sich der Geschäftsführer einschalten würde. Von der Polizei versprach ich mir nichts. Und so kam es auch. Von den noch zwölf Anwesenden, die die Szene miterlebt hatten, wollte kein einziger irgendetwas gesehen oder gehört haben. Schlimmer noch: plötzlich sprach die ganze Sippe deutsch und erstattete Anzeige gegen mich wegen Beleidigung, obwohl ich außer dem Hinweis auf die Reihenfolge nichts gesagt hatte. Nach einiger Zeit kam der übliche Brief von der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren wegen des fehlenden öffentlichen Interesses eingestellt worden sei. Ich nenne das Strafvereitelung im Amt. Fall Nr. 2: Nachdem ich eine Eigentumswohnung mit Krediten der Landesbank Schleswig-Holstein erworben hatte, zahlte ich mich 14 Jahre lang (bis 1997) dumm und dämlich. An eine Flugreise oder ein Auto war nicht mehr zu denken. Dann stellte ich die Zahlungen ein, weil ich sonst den größten Teil meines restichen Lebens Sklave des Keditinsituts gewesen wäre. Es kam zunächst zur Zwangsvollstreckung, sprich: Gehaltspfändung, so dass ich monatelang vom verbleibenden Sozialhilfesatz noch nicht eimal meine fixen Kosten [Miete, Strom, Gasheizung, Telefon, Kranken-, Haftpflicht-, Hausrat-, Haftpflicht- und Rechtsschutz versicherung] bezahlen konnte. Das Landesschulamt kam seiner Fürsorgepflicht mit folgendem Satz nach: "Als Angehöriger des öffentlichen Dienstes haben Sie Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse so zu regeln, dass Pfändungen unterbleiben." Glücklicherweise war ich nach der Zwangsversteigerung der Wohnung [siehe Abbildung oben] alle Schulden los. Im Gegenteil: in den folgenden Monaten wurden vom Amtsgericht Charlottenburg und von der Kieler Ausbeuterbank, mit der alle meine Versuche einer gütlichen Einigung gescheitert waren, in mehreren Raten insgesamt über 50000 DM auf mein Konto überwiesen. Besonders lustig war in diesem Zusammenhang ein an mich gerichtetes Schreiben der Hausverwaltung. Die Gagfah teilte mir mit, dass ich zwar Eigentümer der Wohnung 104 sei, "diese jedoch nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite gelegen sei." Daher sei auch meine Mieterin, die 14 Jahre lang Miete an mich gezahlt hat, gar nicht meine Mieterin. In Wirklichkeit sei meine echte Wohnung an Szendy/Hameke vermietet. Infolge dessen sei meiner Mieterin, Frau Mau, mit der ja kein Mietvehältnis existiere [und die mich 14 Jahre lang mit Instandsetzungswünschen genervt hat], die fristlose Kündigung ausgesprochen worden. Diese hatte jedoch für mich zur Folge, dass urplötzlich eine unvermietete Wohnung, wenn auch die falsche, zwangsversteigert wurde, die dadurch das Doppelte des ursprünglich von mir befürchteten Erlöses erbrachte. Ohne diesen Irrtum hätten sicher 50000 DM Schulden an meiner Backe geklebt. So aber hatte ich Grund zum Jubeln. Ich hatte mich an meinen eigenen Haaren aus dem Schuldensumpf gezogen. Und meine Vorstellung, als Ruheständler kostenfrei zu wohnen, war ohnehin eine Illusion. Bereits 1999 hat die Gagfah monatlich über 500 DM Wohngeld von mir gefordert. Eines ist mir klar geworden: Wohneigentum im Kapitalismus macht krank.

Fall Nr.3 [siehe Abbildung]: Anfang 1999 lerne ich über Lehm den Kriminellen Tom Winter kennen. Er erklärt sich bereit, mir für 8332 DM meinen Wunsch-PC zu bauen. Die Anzahlungvon 5000 DM wird mir schriftlich bestätigt. Doch nach der Geldübergabe habe ich ihn nie wieder gesehen. Meine Strafanzeige und der Vollstreckungsbescheid waren völlig sinnlos. Wegen Betrugs wird in Deutschland niemand verurteilt. Und wenn sich der Gangster aus dem Staub macht oder sich für zahlungsunfähig erklärt, ist auch das Geld futsch. So teilte mir z.B. die "Staatsanwaltschaft I bei dem Landgericht Berlin" im August 1999 mit, "dass das Verfahren zur Zeit nicht fortgesetzt werden kann, da für den Beschuldigten kein Aufenthaltsort bekannt ist." Doch es kam noch schlimmer! Nach einem Lügenbrief der als "Rechtsanwältin" auftretenden Hehlerin Dagmar Engwicht an die Staatsanwaltschaft, stellte Staatsanwalt Gaedtke das Verfahren mit der Begründung ein: "Es ist dem Beschuldigten nicht zu widerlegen, dass er bei Vertragsschluss beabsichtigte, den Vertrag einzuhalten." Fall Nr. 4: Im Zusammenhang mit meinem Umzug hatte ich im August 2005 einen niegelnagelneuen Mercedes gemietet und bin sonntags mit Lehm ins Berliner Umland gefahren. Dabei fiel mir auf, dass auf den Landstraßen ständig neue Höchstgeschwindigkeits- und Überholverbotsschilder sowie deren Aufhebung aufgetaucht sind, um Ortsfremde in die Zahlemann-und-Söhne-Falle zu locken. Da ich ständig mit dem in DDR-nOstalgie schwelgenden Beifahrer, der märkischen Landschaft, den im Gänsemarsch trödelnden Ossis und der ungewohnten Mercedes-HiTech beschäftigt war, kam es, wie es kommen musste. Beim Überholen blitzte es, ich war in die Falle getappt. In einem Bußgeldbescheid des Ordnungs- und Verkehrsamtes des Landkreises Havelland wurde mir zur Last gelegt, die zulässige Höchstge schwindigkeit von 80 km/h um 35 km/h überschritten zu haben. Die Vergnügungssteuer dafür betrage 100 Euro. Die Wegelagerer hatten gleich ein Foto [siehe Foto] beigelegt, das unschärfste dieser Memoiren.

Da ich nicht zahlen wollte, setzte die Staatsanwaltschaft Potsdam eine Gerichtsverhandlung an. Dieser habe ich unter anderem geschrieben: "Hiermit bitte ich den Hauptverhandlungstermin beim Amtsgericht Nauen abzusetzen, da ich mich nach dieser Straßenräuber-Erfahrung entschlossen habe, nie wieder Straßen des ehemaliges DDR-Territoriums zu befahren." Bis heute habe ich mich daran gehalten, obwohl ich mir darüber im Klaren war, dass der Autofahrer-Nepp ein weit verbreitetes kapitalistisches Fänomen ist. Aber es ist für mich schon erstaunlich, wie sich die Autofahrer ausnehmen lassen.

Ich könnte noch weitere gegen mich verübte Betrügereien und Straftaten wie z.B. Körperverletzung aufzählen. In einem Kudamm-Bus riss mir z.B. ein junger Türke von hinten den Rücksack mit der Bemerkung vom Rücken, ich solle mich nicht so breit machen. Als ich ihm den Scheibenwischer zeigte, kam er auf mich zu und rammte mir seine Stirn ins Gesicht. Während meine Nase blutete, überlegte ich, ob ich ihn gleich zusammenschlagen oder erst mit ihm aussteigen soll. Während ich mich im Bus vergebens nach dem einen oder anderen Zeugen umsah, verschwand der Gewalttäter spurlos. Enttäuscht musste ich zum wiederholten Mal die Feigheit der Berliner konstatieren. Es gäbe noch den einen oder anderen Aspekt, der mein Leben beeinflusst hat und den ich darstellen könnte, z,B. war der Klamottenkauf immer ein Ereignis. 25000 Euro habe ich in meinem bisherigen Leben bestimmt für Ballonmützen, Seidenschals, Seidenkrawatten, Jeanshemden mit Perlmuttdruckknöpfen, T- und Sweatshirts, schwarze Lederwesten, Parka und Sakkos, Jeans und Bundfaltenhosen, Trainingsanzüge, Unterwäsche, Socken, Hand-, Sport- und Lederschuhe ausgegeben. Doch selbst wenn ich darüber jammerte, dass ich oft die passende Größe nicht finden konnte, wäre das Thema für eine Biografie zu uninteressant. Andere als die bereits beschriebenen Qualifikationen, mit Ausnahme des Erste-Hilfe-Scheins, habe ich nicht erworben und weitere Hobbys, von Film- und Theaterjobs abgesehen, fallen mir nicht ein. Zwar habe ich Piccolo-Comic-Hefte, Glasmurmeln, Briefmarken, Schallplatten, Bücher, Krawatten, Musik-CDs, Spielfilm-DVDs, Musikinstrumente, Computersoftware-CD-ROM, Trinkgäser und Fernbedienungen gesammelt, doch auch der Sammeltrieb ist zu gewöhnlich und daher kaum von Interesse. Das Allerlei - es ist vorbei.

 
   
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