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 XVI--Mädchen, Frauen,
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weierbeziehungen

Hier beginnt der delikatere Abschnitt meiner Memoiren. Insbesondere über Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht zu schreiben, ist eine prekäre Angelegenheit, da man sich dem ständigen Risiko aussetzt, vom “anderen Geschlecht” missverstanden zu werden. In der postemanzipativen Periode ist diese Aufgabe besonders schwierig, doch ich weise in diesem Zusammenhang nochmals darauf hin, dass sich meine Ausführungen auf das in der Vergangenheit subjektiv Erlebte beziehen und mit meiner derzeitigen Einstellung nicht das Geringste zu tun haben. Dabei muss man berücksichtigen, dass es in der mich charakterlich prägenden Phase ein völlig anderes Rollenverständnis gab: Männer und Frauen hatten ihre jeweils eigenen, spezifischen Aufgaben. Mein Vater hatte als einarmiger Winzer drei Funktionen: Feldarbeit, Alkoholkonsum und Schlaf - und zwar in dieser Reihenfolge. Mit Arbeiten und Saufen hatte meine Mutter gar nichts am Hut. Ihre Funktionen lauteten: Spätaufstehen, Einkaufen (heute würde man “Shopping” sagen), Essen, Tratschen, Essen, Lamentieren, Essen, Schlafen. So traf sie sich mit ihrem Mann praktisch nur am Esstisch, im Bett und sonntags beim Kirchgang.

Der geneigte Leser wird bereits registriert haben, dass ich von meiner ersten Zweierbeziehung und meinem ersten Rivalen berichte. Dass ich ausgerechnet mit meiner Mutter meine erste Zweierbeziehung hatte, war - obwohl ich nicht gefragt wurde - vielleicht ganz gut. Insbesondere als Säugling kam ich ein halbes Jahr lang in den Genuss, mich an prallen Bauerntochterbrüsten jederzeit laben zu können. Zwar etwas zu fetthaltig, war meine Muttermilch aber praktisch schadstofffrei: keine Chemikalien aus Pflanzenschutzmitteln, die damals noch nicht zur Verfügung standen, kein PCB, keine Dioxine und Furane, toxischen Schwermetalle und
chlorierten Kohlenwasserstoffe, wie sie in den letzten Jahrzehnten immer wieder nachgewiesen wurden. Auf meinen Erzeuger hätte ich in den ersten drei Lebensjahren allerdings gut und gerne verzichten können. Ob ich einen Ödipuskomplex hatte? Ödipus hatte – ohne es zu wissen – seinen eigenen Vater, König
Laios von Theben, in einem Handgemenge getötet, und später seine eigene Mutter Iokaste zur Ehefrau genommen. Freud behauptet, ich hätte in der ödipalen Phase meine Mutter sexuell begehrt, mit meinem Vater um die Gunst meiner Mutter rivalisiert und den Inzest mit meiner Mutter herbeigesehnt. Ich habe hier und heute ein Geständnis abzulegen: “Ja, Freud hatte recht, ich wollte meinen Vater umbringen, um seinen Platz einzunehmen.” Mit Beginn meiner Trotzphase haben wir allmählich das Interesse aneinander verloren. Meine Mutter hat mich überhaupt nicht verstanden und war auch nicht in der Lage, auf meine Bedürfnisse einzugehen. Auch später konnte ich beobachten, dass sie sich nur für hilf- und harmlose Babys ohne eigenen Willen interessiert hat. Die Entfremdung ging so weit, dass ich eines Tages nicht einmal mehr eine Anrede für sie hatte.

Ich musste mich nach einer anderen Freundin umsehen und wurde fündig. Das Problem war nur: ich hatte gleich zwei gefunden - Ilse und Hannelore. Zum Glück wohnten beide zwar in der Spitalstraße, aber zehn Häuser auseinander und hatten auch nichts miteinander zu tun. Mit Hannelore habe ich im Sommer im Sandkasten Burgen gebaut, im Winter sind wir zusammen Schlitten gefahren auf einem Weg am Schwimmbad, zwischen Triefenbach und Villastraße. Sie war ein bisschen dümmlich, so dass ich sie um den Finger wickeln konnte, hatte aber einen gutmütigen Schäferhund, der den Schlitten zog, und ein schrilles Lachen, das mich fasziniert hat. Ilse, Tochter eines Sauhändlers, den sie in Ermangelung einer Mutter versorgt hat, war anders. Sie hatte Grips, war verständnisvoller, undurchsichtiger, aber zu Doktorspielen bereit - zunächst bei ihr zu Hause auf der Hoftoilette.
Später haben wir für sie und ihresgleichen bei uns im Garten eine etwa drei Quadratmeter große Bretterbude gebaut, in der sich gelegentlich bis zu fünf Ärzte und Patientinnen tummelten. Nie haben sich irgendwelche Eltern deswegen Sorgen gemacht. Die Beziehung mit Ilse hat mehrere Jahre gedauert. Als sie in die Vorpubertät kam, hat sie sich dann zurückgezogen und war stets nur noch kurz auf dem Fahrrad zu sehen. Vorpubertär war zunächst auch meine Beziehung zu Anita. Sie lernte ich erst in der ersten Klasse kennen. Vorher war sie nie zu sehen gewesen. Sie wohnte in der Watzengasse, in einem Haus neben dem Schwimmbad mit langer Einfahrt als Verlängerung der Spitalstraße. Obwohl ihre Mutter eine betont freundliche Hexe war, habe ich sie oft besucht, allzu oft leider vergebens. Nach dem Unterricht musste sie sofort nach Hause, und wenn ich sie nach dem Mittagessen besuchen wollte, war sie schon beim Klavierunterricht. Ihre Mutter vertröstete mich immer: sie käme bald; doch allzu lange wollte ich mich nicht mit einer Hexe allein in einem Raum aufhalten. Wenn ich Anita vor der Einfahrt abpasste, hatte sie es eilig, und in den Pausen auf demSchulhof war es ausgeschlossen, eine Mitschülerin anzusprechen.

Warum, weiß ich bis heute nicht. Wahrscheinlich lag es daran, dass sich die Mädchen grundsätzlich im Rudel aufhielten. Allerdings war Anita sowieso ein sehr scheues Rehkitz, das total unter der Fuchtel seiner Mutter stand. Als ihre Mutter - der Vater war angeblich Fernfahrer, doch habe ich ihn kein einziges Mal zu Gesicht bekommen - sie nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium nach Neustadt an der Wein straße schickte, wurde es immer schwieriger den Kontakt mit ihr aufrecht zu erhalten. Die Beziehung brach ab, nachdem ich sie in einem Brief aufgefordert hatte, ihre Reserviertheit mir gegenüber aufzugeben.
Das genaue Gegenteil von ihr war meine Lieblingscousine Gisela, und ich hoffe, sie wird diese Zeilen niemals lesen. Aber ich muss das Geheimnis lüften, schließlich haben wir seit 30 Jahren keinen Kontakt mehr. Wir waren im gleichen Alter und verstanden uns von Anfang an. Als wir - beide frühreif - in die Pubertät kamen - vermutlich 1961 -, waren wir eines Abends die letzten Zuschauer vor der Glotze. Am oberen, stockdunklen Ende der Treppe zu den Schlafzimmern sind wir uns in die Arme gefallen. nach etwa einer Stunde habe ich sie mitgenommen in mein Schlafzimmer, doch etwas wirklich Ernsthaftes ist nicht passiert. Hätte ich versucht, sie vollständig auszuziehen, ware ich auf keinen Widerstand gestoßen. Doch ich hatte Angst entdeckt zu werden, denn die Zimmertüren waren nicht verschließbar.

Als wir beide siebzehn waren, kam der Schock: eine Einladung zu ihrer Vermählung, die einzige Hochzeitsfeier an die ich mich erinnere, einschließlich der Brautentführung, eine bescheuerte Idee, wie ich damals fand.

Die Hochzeitsfeier war gerade in vollem Gang, auf einmal war das Geschrei groß: die Braut war weg! Ein paar Gleichaltrige lenkten den Bräutigam ab und schleppten die Braut in eine Gaststätte im Nachbarort. Von dort aus wurde der Bräutigam angerufen und Lösegeld gefordert: er musste sich bereit erklären, die gesamte Zeche zu zahlen. Dann wurde bestellt und gesoffen auf Teufel komm raus. Ich habe mit Gisela getanzt, um sie bei Laune zu halten.
Nicht erwähnen möchte ich meine Latein-Nachhilfelehrerin, die ich mit Jürgen in der zehnten Klasse einmal pro Woche besuchte. Sie war vielleicht 26, dunkelhaarig und trotz langer Nase ausgesprochen attraktiv. Wenn sie uns etwas im Buch zeigen wollte, stellten wir uns so neben oder hinter sie, dass wir möglichst viel Busen und Oberschenkel sehen konnten. Blind vor Geilheit war an Lateingrammatik nicht zu denken. Aber wie gesagt: darüber werde ich mich nicht weiter äußern, denn der Gedanke an sie erregt mich heute noch.

Des öfteren kam Genevieve aus Mannheim nach Edenkoben, wo sie Verwandte besuchte, die sich nicht um sie kümmerten. Das war unsere Aufgabe. Sie wollte keine Zweierbeziehung, sondern möglichst viele Verehrer, die ihr ständig hinterherlaufen. Einer von ihnen war ich. Wenn sie mich mit ihren Glubschaugen ansah, dachte ich immer: sie hat sich für mich entschieden. Doch so vielversprechend sah sie jeden an. Aber mehr als Küsse gab es nicht von ihr. Eine Schwimmbadbeziehung hatte ich mit Juliane aus Maikammer, auch wenn ich sie des Öfteren mit dem Bus nach Hause begleitet habe. Leider hat mir die Bundeswehr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach der Grundausbildung, als ich die Kaserne verlassen durfte, habe ich mich mit ihr an einem Wochende in einer Kneipe in Landau verabredet. Nachdem ich ihr eine Liebeserklärung gemacht hatte, antwortete sie mir: “Rolf, wenn mir mir das vor einem halben Jahr gesagt hättest, wären wir heute ein Paar. Inzwischen bin ich aber vergeben. Tut mir leid.” Mir tat es auch sehr, sehr leid.

Seit diesem Tag hasste ich die Bundeswehr. Ohne diese Abfuhr hätte ich möglicherweise nie den Kriegsdienst verweigert. Aber da war ja noch meine Mitschülerin und Tanzstundenpartnerin Ursula. Als ich zur Offiziersausbildung nach München verlegt worden war, fiel mir ein: “Mensch, die wollte doch in München studieren!” Glücklicherweise gelangte ich über die Auskunft an ihre Telefonnummer. Sie gab mir ihre Adresse und ich besuchte sie mehrmals. Da sie aber wusste, dass ich nur ein Vierteljahr in München bleiben würde, wollte sie von einer festeren Beziehung nichts wissen. Schade: sie war hübsch, sympathisch und hatte eine tolle Figur. Ich hätte mir damals auch vorstellen können, in München zu studieren.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Mathilde lernte ich in einem Eiscafé in der Saarbrückener Innenstadt kennen. Sie war im Wonnemonat Mai nach der Arbeit ein Eis essen gegangen. Ungeniert und ohne große Umstände fing ich an mit ihr zu plaudern. Halb im Scherz habe ich die Ich-bin-neu-hier-Karte gezogen und sie gefragt, ob sie mir nicht als Reiseführerin Saarbrücken zeigen könne. Sie war einverstanden. Wir trafen uns regelmäßig abends nach der Arbeit und an Wochenenden. Doch nach zwei Monaten musste ich mich erst einmal von ihr trennen. In den Sommerferien war ich für eine Reise auf die Britischen Inseln verabredet und anschließend wollte ich an die Uni in Freiburg wechseln. So kam es auch. Doch habe ich vom Breisgau aus wieder Kontakt mit Mathilde aufgenommen. Praktisch an allen Wochenenden bin ich während des Wintersemesters Freitag nachmittags nach Saarbrücken und in der Nacht von Sonn- auf Montag wieder zurück nach Freiburg gefahren.

Im Frühjahr 1970 lernte ich dann Evelyn nachmittags (!) in einer Freiburger Discothek kennen. Sie war mit ihrer Freundin da, ich wollte eigentlich nur ein Bier trinken. Weil die beiden so gelangweilt am Tisch saßen, habe ich die Blondine gefragt, ob sie mit mir tanzt. Sie wollte nicht. Aber die Dunkelhaarige wollte. Als Emmendingerin fuhr sie am Wochenende nach Freiburg in die Disco. In den folgenden anderthalb Jahren fuhr ich dann abends und an Wochenenden von Freiburg nach Emmendingen., wo sie mit Mutter und drei Schwestern wohnte. Der Vater kam ebenfalls ab und zu zu Besuch. Während er nach ein, zwei Stunden wieder ging, durfte ich über Nacht bleiben. Evelyn war sehr nett, sie hieß sogar Netter, sodass wir nie einen Grund zum Streiten hatten. Die ehegeschädigte Mutter prophezeite uns: “Wenn Du mit Deinem Studium fertig bist, wirst Du Dich von Evelyn trennen.” Doch es kam anders. In den Sommerferien 1971 eröffnete sie mir, dass sie nach Bonn ziehen werde, von wo sie ein Arbeitsstellenangebot habe, das sie nicht abschlagen könne.

Mir blieb keine Wahl: im September 1971 musste ich Susi kennenlernen. Bei schönem Wetter stolzierte sie mit Minirock und Stiefeln genau auf mich zu. Sie war sofort gesprächsbereit. In den folgenden Wochen - von Evelyn hatte ich mich noch nicht offiziell getrennt - lernten wir uns näher kennen. Sie war 17, wollte das Abitur machen und lebte mit ihrer Mutter zusammen. Die Eltern waren geschieden: der Vater lebte als Archtekt im Fichtelgebirge. Die Mutter war eine frigide Chemikerin, die es mir gestattete, bei ihrer Tochter zu übernachten. Die Wohnung war komfortabel, aber im Winter total überheizt. Lange Zeit herrschte Friede, Freude, Eierkuchen, wenngleich die Mutter sich einen Freund mit noch besseren Umgangsformen für ihre Tochter gewünscht hätte, der der Mutter häufiger Komplimente macht und Blumen schenkt. Ihre übertriebenen Förmlichkeiten waren nicht mein Ding. Susi war künstlerisch begabt: sie konnte singen, Songtexte schreiben, Mode zeichnen und schneidern. Sie war geradezu prädestiniert als Kostümbildnerin für unsere Kindertheatergruppe. Den größten Teil ihrer Klamotten hat sie selbst hergestellt. Das große Problem war jedoch; sie war genau so frigide wie ihre Mutter.

Als ich einmal von Edenkoben zurückkam, hat sie mir gestanden, sie wäre fremd gegangen. Und zwar mit unserem Regisseur Dieter K. Sie wollte ausprobieren, ob sie bei anderen Männern auch frigide sei. Von diesem Tag an versuchte ich herauszufinden, ob ich bei anderen jungen Frauen ebenfalls potent bin. In ihrem Bekanntenkreis gab es hübsche, junge Dinger. Ein Verhältnis mit einer ihrer Mitschülerinnen hätte mir beinahe den Elba-Urlaub vermasselt. Doch ihre beste Freundin Schahin überredete sie mitzukommen. Mir wären Ferien zu zweit - ohne Susi - lieber gewesen, denn Schahin hat mir von allen Freundinnen und Mitschülerinnen am besten gefallen. Siw war hübsch, intelligent und hatte eine üppige Oberweite. Auf Elba ging dann die Beziehung mit Susi kaputt. Zu offensichtlich war mein Interesse an ihrer Freundin. Schahin war in der Zwickmühle. Sie wollte Susi als Freundin nicht verlieren, war aber in mich verliebt. Eine vertrackte Situation, die - ohne irgendeine Entscheidung - den ganzen Winter 1973/74 hindurch andauerte.

Auf einer Fete im Frühjahr 1974 wurde ich mit Conny verkuppelt. “Merkst Du eigentlich nicht, dass Conny in dich verknallt ist?”, warf mir eine ihrer Freundinnen vor. Conny sah aus wie eine Spanierin, so dass wir zweimal in den Semesterferien nach Spanien fuhren. Leider sprach sie kein Spanisch, so dass ich einen Crash-Kurs machen musste. So bin ich mit ihr von einem Crash in den nächsten geschlittert. Sie war sehr flippig und unberechenbar und flirtete ungeniert mit meinen Kommilitonen, wenn sie mich im Studentenwohnheim besuchte. Sie war auch ein Partyluder, vielleicht hat sie diese Freizeitbeschäftigung sogar erfunden. Ich sagte mir im Winter 1974/75: “Im März ziehst du um nach Berlin - dann bist du sie los.” Doch da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Im Juni verließ sie ebenfalls Freiburg und zog zu mir in die Kreuzberger Solmsstraße. Sie lernte meine damalige Pfälzer Clique kennen und sorgte dafür, dass wir im September desselben Jahres in eine Wohngemeinschaft in der Charlottenburger Otto-Suhr-Allee zogen, wo man die Türen nicht verschließen durfte.

Da ich mich nur schwer auf mein begonnenes Referendariat konzentrieren konnte, habe ich von langer Hand meinen Abgang vorbereitet. Glücklicherweise verliebte sie sich Anfang 1976 in einen Schwaben, der in unsere Wohngemeinschaft eingezogen war, so dass sie es wahrscheinlich nicht bemerkte, als ich im März 1976 in eine Frauen-Wohngemeinschaft nach Friedenau umzog. Zwei Jahre später habe ich erfahren, das die Drogen- und Prügel- Beziehung mit dem Schwaben kaputt war; außerdem war von einer Entziehungskur die Rede. Nach einem dreiviertel Jahr haben mich die drei Frauen aus der Wohngemeinschaft in der Isoldestraße rausgeworfen, weil ich nachts Frauen mit auf mein Zimmer abgeschleppt hatte.

Wegen dem ständigen Zweierbeziehungsstress hatte mich mittlerweile entschlossen, nur noch oberflächliche Beziehungen einzugehen. Michaela lernte ich in einer menschenleeren Steglitzer Discothek kennen. Wir trafen uns in den folgenden Jahren immer wieder mal sporadisch. Sie half mir unter anderem beim Anfertigen meiner zweiten Examensarbeit. Weniger hilfreich war Gina, ebenfalls eine Disco-Bekanntschaft. Sie wollte eine feste Beziehung mit mir, ich aber nicht mit ihr. Dennoch war die heißblütige Italienerin rasend vor Eifersucht. Einmal rief sie mich abends an: ich müsse dringend zu ihr kommen. Obwohl sie mir keine weiteren Erklärungen gab, bin ich Trottel zu ihr gefahren. Als ich klingelte, ging die Tür auf und aus der Dunkelheit heraus schlug sie voll auf mein linkes Ohr. Ich war benommen, hatte Gleichge wichtsstörungen, mein Kopf dröhnte und mein Trommelfell war geplatzt. Das war mir eine Lehre.

Doch als ich Freya auf einem Charlottenburger Trödelmarkt sah, waren meine guten Vorsätze wie weggeblasen. Als ich sie beim Begutachten von Marionetten ansprach, reagierte sie sofort. Um sie näher kennenzulernen, musste ich jedoch eine Prüfung bestehen. “Unsere nonverbale Kommunikation klappt ja schon ganz gut,” stellte sie fest. "Die visuelle Kontaktaufnahme muss aber durch Intimitäten intensiviert werden," antwortete ich. Monate später erklärte sie mir, sie wollte damit herausfinden, ob sie einen gebildeten Menschen oder einen Proleten vor sich hat. “Hast Du eine derart schlechte Menschenkenntnis, dass Du diesen Unterschied nicht siehst,” fragte ich sie beleidigt. Da wohnten wir aber längst zusammen. Das heißt, sie ist mitsamt ihrer wertvollen Möbel bei mir eingezogen, nachdem ich dieser Obdachlosen vorübergehend eine Unterkunft angeboten hatte. Sie war von Hannover nach Berlin gezogen, um hier ihr Referendariat zu absolvieren. Nebenbei hat sie zwei Kinder betreut und abends am Kurfürstendamm im Kellerlokal ihres väterlichen Freundes James bedient.

Als ich sie einmal bei der Arbeit besuchte und ein Bier wollte, hieß es: “Bei uns gibt es kein Bier.” Da ich Bierflaschen gesehen hatte, fing ich unter völliger Selbstkontrolle an zu randalieren. Nach einer Minute stand plötzlich ein Flasche Bier auf meinem Tisch. Bald hatten wir nicht nur eine gemeinsame Wohnung, sondern auch ein gemeinsames Auto (eine grüne Ente) und ein gemeinsames Konto. Ich musste Edelknitter-Anzüge tragen und sie zu Schwulenbars begleiten. Wir waren zusammen in der Pfalz, in Hannover, an der Ostsee und in der Karibik und wollten heiraten. Das war ihre Idee, schließlich war ich ihre “große Liebe”. Das hat sie jedem/r, der/die es hören oder nicht hören wollte, erzählt, ohne mich zu fragen. Wir hatten schon das Aufgebot bestellt und die Verwandten eingeladen, als mir klar wurde, dass ich mich sehenden Auges ins Verderben stürzte. Nach einer Abtreibung bekam ich bei ihr keine Erektion mehr. Und der Sinn eines Ehevertrags ohne Kinder erschloss sich mir sowieso nicht. Außerdem begann ich, mich wieder für andere Frauen zu interessieren. Eines Tages kam ihre Freundin aus Hamburg zu Besuch. Sie war ein Traum. Wir gingen zusammen ins Tempodrom und ich hatte nur Augen für sie. Nach einem Barbesuch, als Freya zurück auf die Toilette musste, machte ich ihr unzweideutige Avancen. Sie reagierte so wie beste Freundinnen eben reagieren. Ich hatte keine Chance und genau die wollte ich nutzen.

Bekloppt! Als wir ein paar Tage später im schwulen Komma waren, berühte ich Freyas Freundin, als diese an mir vorbei auf die Toilette ging. Freya hatte es bemerkt, denn ich stand schon seit Wochen unter ihrer verschärften Beobachtung. Daraufhin landete ihre Hand in meinem Gesicht. Volltreffer! Unglücklicherweise hatte sie ihren Schlüsselbund in der Hand, der auf meiner Unterlippe eine klaffende Wunde verursachte, die schweinisch blutete und genäht werden musste. Irgendwann Anfang 1981 muss sie dann doch begriffen haben, dass ihre große Liebe zuende ist. Kurze Zeit später ist sie bereits wieder verliebt in der Öffentlichkeit gesehen worden. Mir blieb nichts von ihr außer ein paar Bildern und einem Berg Schulden. Aber besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Noch vor der Trennung hatte ich mich bereits auf eine Referendarin an meinem Arbeitsplatz, an der Gesamtschule im Steglitzer Immenweg, gestürzt. Myriam benötigte keine Aufwärmarbeit und kein anstrengendes Vorspiel. Bei ihr ging es gleich zur Sache. Das konnte einem vielbeschäftigten Lehrer nur recht sein. Von allen war sie die französischste. Sie verstand ihr Handwerk, war aber eindeutig nymphomanisch.

Parallel dazu habe ich deshalb meine Bekanntschaft mit Tatjana reaktiviert. Wir trafen uns ab und zu und sind zusammen um die Häuser gezogen. In einer Nachtbar am Lehniner Platz wurde sie von einem Wichser mit den Worten begrüßt: “Was für einen Affen hast Du denn heute dabei?” Das hätte er besser nicht gesagt. Als ich ein paar Minuten später auf dem Weg zur Toilette an ihm vorbei musste, hat er drei derartige linke Haken von mir kassiert, dass er eine halbe Stunde brauchte, bis er, von seinem Kumpel gestützt, das Lokal verlassen konnte. “Beim nächsten Mal bist Du dran”, drohte er mir en passant. “Ein nächstes Mal wirst Du gar nicht überleben”, rief ich ihm noch hinterher. Hinterher erfuhr ich von der Bardame, dass ich mich mit zwei Kripobeamten angelegt hatte. Ich mochte Tatjana sehr und wenn ich ihr nicht auch gefallen hätte, wäre sie nicht mit mir nach Ibiza geflogen.

Jahrelang habe ich Silvana mal an ihrem Arbeitsplatz, einem Restaurant am Olivaer Platz, mal in In-Lokalen oder auch mal im Schwimmbad am Olympiastadion getroffen, auch in der Zeit als ich mit Freya zusammen war. Auch ihre Wohnung habe ich von innen gesehen. Aber egal, was passierte: ob sie von Gästen drangsaliert, von Proleten im Schwimmbad angemacht oder  Freya konfrontiert wurde - sie blieb immer cool, in jeder Lage. Das machte sie - aus meiner sicht - so attraktiv. Leider war sie vielbeschäftigt und hatte nur wenig Zeit. Im Winter 1984/85 besuchte ich mit Bernd ein- oder zweimal pro Woche das Eisstadion Wilmersdorf zum Schlittschuhlaufen. In der Adventszeit lernten wir Petra mit Anhang kennen. Wir tranken anschließend ein paar Bierchen zusammen und kamen uns allmählich näher. Irgendwann kam es wie es kommen musste: wir landeten in der Kiste. Schlimmer noch: beim Reitersitz habe ich mir eine Penisverletzung zugezogen. Sie war zu unbeherrscht und deswegen dachte ich an Rache.

Zufällig traf ich sie außerhalb der Schlittschuhsaison in einer Discothek am Kurfürstendamm zwischen Uhland- und Fasanenstraße. Ihre Schwester, die dabei war, war jünger und hübscher. Klar, dass ich mich den ganzen Abend um sie kümmerte. Als sie auf die Toilette ging, ging ich hinterher. Wir trafen uns im gemischten Eingangsbereich. Während ich versuchte, ein Date mit ihr auszuhandeln, spüre ich plötzlich einen stechenden (!) Schmerz im Allerwertesten. In selbigen hat mir Petra von hinten ihren Schuh gerammt. Ein astreiner Arschtritt. Ich wollte ihr noch erklären, dass ich nicht schwul bin, da war sie mit ihrer Schwester bereits verschwunden. “Die Gewalt gegen Männer muss endlich aufhören”, sagte ich in den folgenden Wochen immer wieder zu mir; “versuch es mal mit einer älteren.” Diesen Entschluss hätte ich nicht fassen dürfen. Denn wie fast immer in meinem Leben passierte mir das genaue Gegenteil. Eine Schülerin machte sich gnadenlos an mich ran, verfolgte mich mit Freundin in der U-Bahn und im Bus bis zu mir nach Hause, stand stundenlang auf der Straße vor meiner Wohnung, kligelte an meiner Wohnungstür und wollte nicht eher gehen, bis sie in meiner Wohnung war. Mir fiel wieder ein, dass ich im Grunde meines Herzens Hindu war, so dass ich keine Wahl hatte als mein Schicksal zu akzeptieren.

Anderthalb Jahre lang traf ich mich mit der blutjungen Isabell, war bei ihr zu Hause, spielte mit ihr Tennis, begleitete sie zu Basketball-Turnieren, fuhr mit ihr nach Österreich, ins Ruhrgebiet und nach Sylt. Als sie zum x-ten Mal eine Schwangerschaft vortäuschte, ist mir der Kragen geplatzt und ich habe mich ein paar Wochen unauffindbar gemacht.
1988 lernte ich auf dem Charlottenburger Trödelmarkt Larissa kennen. Sie war jung, sah aber jünger aus als sie war. Monatelang meldete sie sich donnerstags telefonisch bei mir an und kam über das Wochenende nach Berlin. Sie sprach ein sehr sympatisches Fränkisch, war aber ein ziemlich undurchsichtiger Skorpion. Wenn man dachte, man hätte Fortschritte mit ihr gemacht, stichelte sie so lange, bis einem bewusst war, dass es sich um Sidesteps gehandelt haben muss.

Eines schönen Tages traf ich in einem Tanzlokal in der Nähe der Gedächtniskirche eine Studentin, die im Rahmen ihres Abiturs eine mündliche Sportprüfung mit “sehr gut” bei mir absolviert hatte, wobei sich eine der beiden Aufgaben auf Schulsonderturnen bezog. Sie war jung, blond, hübsch und brauchte das Geld. Nein, Quatsch. Obwohl mir ihre dunkelhaarige Busenfreundin schon als Schülerin und Abiturientin besser gefallen hatte, bestand Sonja darauf, mir ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, was ihr des Öfteren voll und ganz gelungen ist. Psychisch und mental sind wir uns jedoch nicht näher gekommen. Auch ihre Freundin tanzte lieber, als sich mit mir zu beschäftigen. Das sind die kleinen Niederlagen, mit denen man fertig werden muss. Die beste Therapie ist eine Ersatzbefriedigung, die aber häufig nicht funktioniert, wenn man “nicht gut drauf” ist.

Vier weitere Frauen haben in meinem Leben noch eine überdurchschnittliche Rolle gespielt (andere kommen in diesem Frauenreport auch nicht vor): Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir von einer Rothaarigen der Name nicht mehr einfällt; ein Foto konnte ich auch nicht finden. Sie war ungemein freundlich, hatte sehr gepflegte Umgangsformen und ich habe sie mehrmals in ihrer Wilmersdorfer Wohnung besucht. Dennoch konnte ich mich nicht richtig auf sie konzentrieren, weil ich mit einem anderen Beziehungsproblem beschäftigt war. Ihre sehr hohe Stimme ist mir in Erinnerung geblieben.
Heidi war eine echte Zaubermaus, sehr charmant, unaufgeregt. Entspannt konnte man mit ihr über Gott und die Welt reden. Wir trafen uns nur unregelmäßig, wollten zu diesem Zeitpunkt beide keine feste Bindung eingehen. Leider verloren wir uns aus den Augen, nachdem sie umgezogen war. Ihre neue Adresse oder Telefonnummer konnte ich nicht ausfindig machen. Nur ein total unscharfes Foto von ihr ist übrig geblieben. Sollte sie Schauspielerin geworden sein, wird es sicher schärfere Aufnahmen von ihr geben, das Gesicht dafür hatte sie jedenfalls.

Genau so attraktiv war Cora, die ich im First angemacht habe. Warum sie allein ausgegangen war, habe ich nicht herausgefunden. Jedenfalls erklärte sie mir aussführlich, warum ihr Vorname mit “K” bzw. mit “C” geschrieben wird. Leider habe ich vergessen, welche Version die richtige war. Sie erzählte gerne Geschichten von sich und ich habe ihr monatelang geduldig zugehört, obwohl diese eher langweilig waren. Aber ich wollte ja etwas von ihr, etwas anderes. Meine dezenten Anzüglichkeiten hat sie zunächst ignoriert, bevor sie zögerlich darauf eingeggangen ist. Letztendlich habe ich aber nicht alles bekommen, worauf ich aus war. Auch gut! 
Als Höhepunkt der Frauen, die ich hier erwähne, betrachte ich Jolanda Egger, eine Schweizer Schönheitsprinzessin, die den großen Titel als “Miss Schweiz” nur ganz knapp verfehlt hat. Auch bei den Wahlen zur "Miss Europe" und "Miss International" war sie Anfang der 1980-er Jahre angetreten, bevor sie den Schweizer Rennfahrer Marc Surer heiratete und selbst als Rallye- und Formel-3-Fahrerin aktiv wurde.


Nach der Trennung wohnte sie ein halbes Jahr in einem hässlichen, blau-gelben Mietshaus am Adenauerplatz. Als sie von einem Briefkasten zurückkam, habe ich sie angesprochen. Meine Anmache hat ihr gefallen, weil sie direkt und ehrlich war, gestand sie mir. Ihr Appartement in der obersten Etage war geräumig und edel, aber fast spärlich eingerichtet. Für ihre private Krise war ich genau die richtige Übergangslösung. Dagegen hatte ich keine Einwände. Nur selten ging sie aus, sodass ich sie häufig besuchte. Sie war intelligent, hatte eine sehr schnelle Auffassungsgabe und einen strammen, durchtrainierten Körper. Doch rückte sie nicht recht mit der Sprache heraus, welche Pläne, Intentionen oder Vorstellungen sie hatte. 

Auf die Schilderung von One-Night-Stands und sexuellen Details habe ich bewusst verzichtet. Effekthaschereien waren nicht meine Absicht. Ich habe nie geheiratet, hätte aber mehrere Kinder haben können, die Lebenspartnerinnen aus eigenem Entschluss rechtzeitig abtreiben ließen. Ich habe sie dazu nicht ermuntert, aber darauf hingewiesen, dass ich eine Vaterrolle nicht als erstrebenswerten Lebensentwurf betrachte. Meine Bewunderung gehört dennoch allen Vätern und Müttern, die den irrsinnigen Aufwand an Zeit und Nerven, der in unserer Anspruchsgesellschaft erforderlich ist, nicht scheuen. Mir persönlich haben Zweierbeziehungen, außer viel Stress und Kosten, letztendlich nichts gebracht. Heute bin ich erstens davon überzeugt, dass die Groß- der Kleinfamilie überlegen ist und zweitens zur Erkenntnis gekommen, dass ich zur Monogamie nur maximal zwei Jahre in der Lage bin. Enthaltsamkeit dagegen fällt mir leichter. Außer einem einzigen Tripper habe ich mir keinerlei Geschlechtskrankheiten eingefangen, obwohl ich niemals auch nur ein einziges Präservativ verwendet habe.

Ein einziges Mal dagegen bin ich mit einer Nutte von der Lietzenburger Straße aufs Zimmer gegangen. Den Geschlechtsverkehr habe ich abgebrochen, weil sie keine Küsse auf die Lippen zuließ, ein “eisernes Gesetz”, das mir damals nicht bekannt war. Dadurch hatte ich das Interesse an Prostituierten ein für alle mal verloren. Nie gefunden habe ich eine geeignete Partnerin für Tantrasex. Bis heute ein echtes Versäumnis.

 
   
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